Gemeinsam Lesen 21.11.2017

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese u.a. „Mondschwur“ von J.R.Ward und bin auf Seite 103/367.

Bildergebnis für Mondschwur

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Während Xhex draußen vor dem Kraftraum wartete, betrachtete sie ihre eigenen Gefühle mit leidenschaftslosem Interesse.“

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Wirklich viel loszuwerden gibt es nicht. Ich liebe die BD-Reihe und dieser Band, der Xhex und John behandelt, fesselt mich ebenso, wie es die Vorgänger getan haben.

4.Von welchem Autor/in, von dem lange nichts mehr erschienen ist, wünscht du dir ein neues Buch? 

Ohje, das ist so eine Frage, wo man den aktuellen Buchmarkt auf dem Schirm haben müsste, bzw. wo man „up to date“ mit Reihen und Büchern sein müsste – und das bin ich nicht 😀 Ich freue mich immer über neue Bücher meiner Lieblingsautoren, habe aber je noch mehr als genug Bücher von ihnen herumflattern, sodass ich mich aktuell gar nicht nach neuen Büchern von ihnen erkundige. Bei den Reihen bin ich bei weitem nicht auf dem aktuellsten Stand, und auch bei anderen Autoren habe ich noch viele ältere Bücher herumliegen. Die einzigen Autoren, wo mir der Lesestoff ausgegangen ist, sind leider schon tot. Da brauche ich also auf nichts warten und hoffen.

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Montagsfrage 20.11.2017

Besitzt du Merchandise zu bestimmten Buchreihen, z. B. Lesezeichen, Tassen, Kunstdrucke etc.?

Ich besitze eigentlich viel Merchandise. Band-Merch, Serien-Merch, & so weiter. Aber Bücher-Merch? Da sieht es wirklich mau aus, muss ich zugeben. Woran das liegt – keine Ahnung. Ein Kerlchen hab ich aber gefunden, dass zur Montagsfrage halbwegs passt. Meinen Ramsay Bolton (Fingirlgekreisch bitte hier vorstellen). Genau genommen ist er ja ein Buchcharakter, auch wenn ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich bis jetzt nur Band 1 gelesen habe und ihn daher nur aus der Serie kenne. Auch ein Mumin-Lesezeichen nenne ich mein eigen, allerdings habe ich auch hier bis jetzt nur die Serie geschaut und die Bücher warten noch darauf, von mir gelesen zu werden. Zudem flattern sicher hier und da Lesezeichen mit Buchmotiven herum, das sind dann allerdings eher Zufälle weil ich einfach alles behalte, was nach Lesezeichen aussieht. Man weiß ja nie, wann man es mal gebrauchen kann. Lesezeichen gehen immer.

 

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Ruth Klüger: weiter leben

weiter leben
von Ruth Klüger

dtv Verlagsgesellschaft
1994
288 Seiten

Biografie, Erinnerung, Holocaust

Kurzmeinung

Ich gehöre wahrscheinlich zu den wenigen Lesern, insbesondere meiner Altersgruppe, die Bücher mit dieser und ähnlicher Thematik verschlingen und auch nach dem zehnten Buch ähnlichen Hintergrunds noch nicht das Handtuch werfen. Ich bin geschichtsinteressiert, besonders was die jüngere Geschichte angeht. Daher stört es mich auch nicht, dass ich mit Ruth Klügers Biografie nun ein weiteres Buch einer Holocaust-Überlebenden in Händen halte. Die Todesmaschinerie mag die gleiche gewesen sein, doch jedes Schicksal ist so individuell, dass jedes Buch seine Berechtigung hat.

Gelesen habe ich weiter leben im Rahmen eines Seminars über die Literatur der Juden in erster, zweiter und dritter Generation nach dem Holocaust. Unsere Dozentin sieht Klüger als geschätzte Kollegin, ich vermute dass die Wahl daher auf sie und ihre Biografie  fiel.  Ruth Klüger zählt, als selbst im KZ inhaftiert Gewesene, natürlich zur ersten Generation. Der Leser sieht sich mit dem Schicksal einer Jugendlichen konfrontiert, die gerne das Kino besuchen würde – aber nicht darf. Die gerade beginnt, ein eigenes Leben zu leben. Und dann in ein Lager verschleppt wird, wo sie um ihr Leben kämpfen muss. Zu Beginn schildert die Autorin, wie es ist, als Jüdin im nationalsozialistischen Wien zu leben. Welche Einschränkungen sie nach und nach im Alltag ertragen und hinnehmen muss. Dann die Internierung. Dann das Leben danach. Das Überleben. Das weiter leben. 

Ruth Klüger ist Germanistin.  Wen sie schreibt, weiß sie, wie sie Sprache einzusetzen hat. Sie heischt kein Mitleid. Sie gehört nicht zu jenen Opfern, die – berechtigterweise – von ihrem Leid und der Tragweite dieses Leid sprechen. Verglichen mit jenen, ist Klügers Erzählstil nahezu nüchtern. Das macht es auf der einen Seite recht angenehm, ihre Biografie zu lesen. Man versinkt nicht in einer Beschreibung der Emotionen, sondern bekommt das Geschehen ohne zu viele Schnörkel präsentiert. Dennoch habe ich mich teilweise an Klügers Erzählstil gestoßen. Ich kenne die Autorin nicht und kann mir ihre Situation weiß Gott nicht vorstellen, daher erlaube ich mir auf keinen Fall ein Urteil über die Autorin als Person. Als Erzählerin ihrer Biografie wirkte sie jedoch zeitweise unsympathisch und stieß den Leser vor den Kopf.  Das ist auch der Grund, warum eine sonst sehr ausführliche und gut geschrieben Biografie von mir vier der fünf Sterne erhält.

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Masterarbeit, ich komme!

Ein bisschen klischeebehaftet fühlt es sich ja schon an: Ich sitze im Starbucks, nippe an meinem Lebkuchen Latte und blogge über die Universität. Aber teuer hin oder her, ich mag Starbucks. Und ich bin Blogger. Und ich komme gerade direkt von einer nahezu heroischen guten Tat  und habe mir diese weihnachtliche Köstlichkeit durchaus verdient.

Nun gut, heroisch?! Ich habe bloß eine Unterschrift beim Prof eingeholt und einen Brief in den Briefkasten geworfen. Aber als Meilenstein darf man das schon auch bezeichnen, denn es handelte sich um nichts geringeres als die Anmeldung zur Masterarbeit. Ja….. Nach so vielen Jahren steht nun die Abschlussarbeit im Master bevor. Die Entwicklung der Sprache des Individuums. Klingt trocken, ist aber genial. Versprochen. Und bekommt auch einige eigene Blogposts.

Jetzt stecke ich aber erst einmal in einer kleinen Lebenskrise, denn so sehr ich mich auf diese spannende Masterarbeit freue, umso weniger freue ich mich auf das Danach. Lange Zeit stand für mich fest, welchen Weg ich nach dem Studium beschreiten möchte. Doch dieser Weg, der früher einmal wunderschön und blumenumsäumt schien, hat sich ein bisschen in ein Gruselkabinett verwandelt, welches ich nicht betreten möchte. Bibliothek. Das war immer so ein magisches Wort. Ein schönes Wort. Ein Wort, mit dem ich gleichzeitig das Wort Zukunft verband. Und Spaß. Aber das tue ich nicht mehr.  Denke ich daran, spüre ich schon die aufwallende Unterforderung.  Meine Wünsche für die Zukunft haben sich drastisch gewandelt und weiter entwickelt. Wenn ich in die Zukunft blicke, sehe ich da ganz deutlich : Universität & Forschung. 

 Ich möchte vielleicht nicht wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Durchaus möchte ich aber in das Geflecht und Konstrukt Sprache eindringen, wühlen, graben, mich darin verlieren. Mit anderen klugen Menschen darüber reden, lehren, lernen, entdecken. Und je klarer mir das wird, umso unklarer wird das Bild der Bibliothek in meinem Kopf. Ich habe auch schon mit einem Prof darüber gesprochen und fasse nun einen neuen Meilenstein nach der Masterarbeit ins Auge: Dissertation. Ich möchte Frau Doktor werden, nicht Frau Bibliothekarin. Und die Masterarbeit soll den Grundstein dafür legen. Fuß fassen in der Linguistik. (Told a linguistic joke at the party. Have no friends.) 

Hach. Ist das jetzt die sogenannte Midlife Crisis? Die Sinnkrise in den Zwanzigern? Der Wendepunkt? Kehre ich endgültig der Literatur als Berufszweig den Rücken? Ich denke schon. Mein Kopf realisiert nun, was mein Herz schon recht lange entschieden hat. In meiner Freizeit mag ich für Literatur brennen, doch mein Herz schlägt akademisch und für die Sprachwissenschaft.

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Montagsfrage # 6. November 2017

Wie wichtig ist es dir gelesene Bücher zu rezensieren? Versuchst du alle zu rezensieren oder nur bestimmte?

Ehrlich gesagt ist es mir ziemlich wichtig, alle Bücher zu rezensieren, die ich gelesen habe. Der Blog und die darauf erscheinenden Rezensionen sind für mich eine Art Lesetagebuch, welches ich gern lückenlos führen möchte. Natürlich spielen hier auch wieder ein wenig meine Zwänge mit rein, aber im großen und ganzen ist es mir einfach wichtig, jedes von mir gelesene Buch zu rezensieren. Ich wüsste auch nicht, wo ich die Kriterien der Auswahl sonst anlegen sollte. Besonders gute, besonders schlechte Bücher? Und das „Mittelmaß“ verschweigen? Zugegeben: Ich rezensiere nicht alle Bücher gleich. Es gibt jene, wo man viel zu sagen hat und gut und gerne eine ausführliche Rezension zusammen bekommt. Bei manchen Büchern begnüge ich mich mit einer Kurzmeinung. Aber einige Sätze zum Buch sind für mich in der Regel ein Muss.

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Montagsfrage KW 43

Hast du schon einnmal eine Fanfiktion zu einem Buch geschrieben?

Ich vermute ganz ehrlich, dass das die meisten Leser schon getan haben. Zumindest in meinem Bekanntenkreis ist es durchaus so. Eine liebe Mail-Freundin von mir hat erst dieser Tage ihre FF zur „Witcher-Reihe“ fertiggestellt. Und auch ich habe ganz sicher schon oft den Versuch gestartet, eine FF zu schreiben. Meist aus dem Wunsch heraus, eine Geschichte noch nicht enden zu lassen und neuerlich in das Universum einzutauchen, welches mir soviel Faszination und Zuneigung abringt. Ich muss aber zusätzlich gestehen, dass ich noch keine FF fertig gestellt habe. Insgesamt habe ich noch keine Geschichte zum Ende gebracht. Es fehlt mir einfach am Durchhaltevermögen. Und schreibe ich eine Zeit lang nicht und nehme mir dann mein Skript wieder vor, möchte ich es zu 99% ohnehin verwerfen und neu beginnen. Mal schauen, irgendwann schaffe ich es doch aber sicher!

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Gemeinsam Lesen // 17.10.2017

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese „Machandel“ von Regina Scheer. Ich bin auf Seite 31.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Jan fuhr, glaube ich, über die Brücke an der Bornholmer Straße nach Westberlin.

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Wirklich viel kann ich noch nicht sagen, ich habe erst zwei Kapitel gelesen. Diese waren aber schon sehr spannend und erzählerisch sehr schön. Erzählt wurde aus den Perspektiven zweier Frauen. Eine, die durch Machandel läuft. Eine andere, die bereits tot ist und eine Art Rückblick auf ihr Leben wagt. Erzählt wird das Geflecht rund um Machandel, ein Dorf im Osten der Republik. Ich bin schon sehr gespannt, wie es weiter geht und was kommt. Machandel habe ich  als Rezensionsexemplar erhalten, es hat mich schon zu Beginn sehr neugierig gemacht.

4. Wenn ein Buch verfilmt wurde, das du noch nicht gelesen hast, liest du dann erst das Buch oder schaust den Film?

Es ist mir gleich, in welcher Reihenfolge ich „konsumiere“. Natürlich werden jetzt wieder viele sagen: Zuerst Buch, sonst nimmt der Film einem ja das Kopfkino weg. Aber ich gehöre bekennend zu jenen, die auf ihr eigenes Kopfkino auch gern mal verzichten und so bequem sind, vorgefertigte Bilder zu benutzen beim Lesen 😀 Ja ich weiß, außergewöhnlich und nicht jedermanns Sache. Aber tatsächlich schaue ich beim Lesen ja oft, ob es bereits Fanart oder Bücher oder Schauspieler(vorschläge) gibt, um meinem Kopfkino zuzufüttern. Es ist nicht so, dass ich kein Kopfkino besitze oder so. Aber ich mag diese handfesten, etwas vorgegebenen Bilder einfach lieber. Warum, kann ich euch leider auch nicht sagen. Im Idealfall lese ich zwar zuerst das Buch, aber ich habe absolut nichts gegen ein umgekehrtes Konsumieren. Oftmals lese ich Bücher auch erst aufgrund eines Filmes, vor allem, wenn ich nicht wusste, dass ein Film auf einem Buch basiert.

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Montagsfrage: Wem würdest du den Literaturnobelpreis verleihen?

Wie jeden Montag gibt es bei Buchfresserchen die Montagsfrage. Ich bin natürlich auch wieder mit von der Partie!

Montagsfrage

Montagsfrage: Gerade wurde der Literaturnobelpreis verliehen. Wem würdet ihr persönlich den Literaturnobelpreis verleihen?

Ich muss zugeben, ich stehe mit der heutigen Frage ein bisschen auf Kriegsfuß. Nicht etwa, weil ich sie nicht mag. Diese Montagsfrage ist wirklich toll und vor allem aktuell. Allerdings, weil ich mich mit der Beantwortung schwer tue. Warum? Es gibt mit Sicherheit viele Bücher, die einen Preis verdienen. Bücher, die wichtige Themen ansprechen. Bücher, die den Leser in ihren Bann ziehen. Bücher, die Lesemuffel zum Lesen animieren. Aber der Literaturnobelpreis ist eben doch etwas ganz Besonderes. Um diesen Preis zu bekommen, muss ein Buch mehr als nur gefallen.

Aber was braucht es, um eines Nobelpreises würdig zu sein? Ich habe daher kurz recherchiert und mich mal kundig gemacht, zu welchem Zweck der Nobelpreis überhaupt gegründet wurde: Der Preis gilt jenen, „die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben.“ Okay. Soweit, so gut. Also darf es ja nur ein Buch sein, welches im vergangenen Jahr verliehen wurde. Da fällt mein persönlicher Favorit Wolfgang Herrndorf schon einmal heraus. Der ist nämlich schon einige Jährchen tot. Na schön.

Welche Anforderungen habe ich persönlich an einen Nobelpreisträger? In meinen Augen sollte das Buch bzw. der Autor ein aktuelles gesellschaftliches oder politisches (oder beides?) Problem behandeln und den Lesern aufzeigen, die Augen öffnen. Das ist nämlich etwas, was Bücher ganz erstaunlich gut können und somit tragen Bücher zur Aufklärung, Bildung und Sensibilisierung bei.

Ich bin nun meine Leseliste 2017 durchgegangen und ein Buch würde für mich in Frage kommen: Das erst kürzlich gelesene „Briefe ohne Unterschrift„.  Es handelt sich um ein in diesem Jahr veröffentlichtes Sachbuch. Daher fällt es unter „im verflossenen Jahr“. Zusätzlich klärt es den Leser auf sehr persönliche, direkte, packende Art über den Unrechtsstaat DDR auf. also mein selbst gewähltes Kriterium, die Augen zu öffnen und zu informieren, ist ebenfalls bedient. Somit ist ganz klar, an wen mein persönlicher Nobelpreis geht! 🙂

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J.R.Ward: Blinder König (Black Dagger #14)

Blinder König (Black Dagger #14)
von J.R.Ward
Heyne Verlag (9. August 2010)
448 Seiten
Fantasy, Vampirroman
8,95 € 

Blinder König (Black Dagger #14)

Inhalt

In Band 13 „Racheengel“  erfährt der Leser erstmals etwas mehr über Rehvenge, den Drogenboss unter den Vampiren und wie er die schöne Ehlena kennen lernt, eine aufrichtige Krankenschwester die nichts mit den dreckigen Geschäften Rehvs zutun hat. „Blinder König“ ist nun die Fortsetzung der Story der beiden. Rehv wird in der Sympathenkolonie gefangen gehalten und nur Ehlena und Xhex können ihn retten. Natürlich mit Hilfe der Bruderschaft. Dabei sehen sie sich nicht nur mit den Sympathen konfrontiert, sondern auch mit dem wieder auferstandenen Lash der das personifizierte Grauen darstellt. Als Sohn von Omega ist er der bislang mächtigste Feind, dem sich die Bruderschaft stellen musste.

 

Meinung

Wie immer hat mich dieser Black Dagger Band sofort in seinen Bann gezogen. Erst heute morgen habe ich in einer Buchgruppe gelesen, dass es ein bisschen unverständlich ist, warum diese Bücher so gern gelesen werden. Und ja, mit Sicherheit ist Black Dagger polarisierend. Aber für jene, die es mögen (Hier hebe ich energisch die Hand!), ist diese Romanreihe Gold wert. Frau Ward schafft es immer wieder, den Leser mit einfachsten Mitteln zu ködern. Die Story ist spannend, Erotik vorhanden jedoch nicht plakativ oder aufdringlich (sagt eine prüde graue Maus wie ich) und die Charaktere sind zum Liebhaben. Und immer wieder taucht man ein in das Geflecht der einzelnen Schicksale. Denn es geht nicht immer nur um die Protagonisten des Bandes an sich, sondern vielmehr lernt man auch Randfiguren immer besser kennen, wie zum Beispiel John.

Für mich persönlich hat Black Dagger #14, Blinder König, wieder einmal 5 Sternchen verdient und ich sitze bereits am nächsten Band und kann ihn kaum aus der Hand legen.

 

Was haltet ihr von Black Dagger? Gehört ihr auch zu den Bruderschafts-Fangirls? Wollt ihr die Bücher noch lesen? Oder lasst ihr lieber die Finger davon?

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Susanne Schädlich: Briefe ohne Unterschrift

 

Briefe ohne Unterschrift
von Susanne Schädlich
Albrecht Knaus Verlag
20.März 2017
288 Seiten
Gebundene Ausgabe
19.99 €

Geschichte, Deutsche Geschichte, DDR

 

Geboren wurde ich 1991 in einem kleinen Thüringer Städtchen, somit bin ich von Geburt an Bürgerin der vereinten Bundesrepublik Deutschland und eines der sogenannten Wendekinder. Die DDR ist für mich ein Schreckgespenst, dem ich knapp „entronnen“ bin. Während ich nie einen Fuß in die Deutsche Demokratische Republik setzte, waren es meine Eltern und meine gesamte Familie, die jedoch bis dahin fast kein Leben außerhalb der DDR kannten. Sie sind beinahe ebenso lang Bürger des geeinten Deutschland, wie ich selbst. Es ist also nicht erstaunlich, dass die DDR stets irgendwie präsent ist oder war. Zu Beginn als soeben überwundene Diktator. Später als Schatten, der Ungleichheit (nach wie vor) begründet. (Wieso verdient ein Mitarbeiter einer Firma an einem Standort in der ehemaligen DDR deutlich weniger als ein Mitarbeiter der selben Firma mit denselben Aufgaben und Pflichten an einem Standort in den alten Bundesländern?!) . Und dann auch als verklärte Ostalgie, Lädchen die mit DDR-Produkten werben. Prösterchen mit Rotkäppchen. Die DDR ist also nach wie vor präsent.

Vor einigen Jahren formierte sich in Thüringen eine Rot-Rot-Grüne Regierung. Gleich zu Beginn gab es ein Gespräch darüber, ob die DDR ein „Unrechtsstaat“ war. Und tja, was soll ich sagen? Hätte ich damals dieses Buch bereits gekannt, ich hätte es jenen in die Hand gedrückt, die es verneinten. Denn „Briefe ohne Unterschrift“ zeigt nur all zu deutlich, wie die Bürger der DDR unterdrückt wurden.
Was verbirgt sich dahinter? „Briefe ohne Unterschrift“ war eine Radiosendung des BBC für den deutschen Hörer. Verlesen wurden Briefe aus der Zone, welche aus Sicherheitsgründen ohne Unterschrift abgeschickt werden mussten. Der Schirmherr der Sendung war Austin Harrison. In ihrem Sachbuch geht Susanne Schädlich den „Briefen ohne Unterschrift“ auf den Grund. Sie redet mit noch lebenden Zeitzeugen, recherchiert und liest vor allem jene Briefe, die an das BBC gerichtet waren.

Manchmal überstürzen sich die Gedanken der Autorin, zumindest hatte ich an wenigen Stellen das Gefühl. Dennoch zeichnet sie ein klares Bild darüber, was diese Sendung, deren Name heutzutage als vergessen gelten kann, vollbracht hat und geleistet hat. BoU bot den unterdrückten Bürgern der DDR die Möglichkeit, zu Wort zu kommen. Auch der Austausch untereinander war, wenn auch etwas zeitverzögert, möglich. Austin Harrison verlas die Briefe in seiner Sendung und kommentierte diese. Hier wählte er nicht nur jene, die der DDR kritisch oder gar feindlich gesinnt waren. Er verlas auch die Kontra-Briefe. Briefe von DDR-Bürgern, die das Gute an ihrem Staat hervorheben wollen. Teilweise sind diese Briefe so persönlich, dass es den Leser deutlich anrührt.  Denn Schädlich gewährt in ihrem Buch den Briefen gebührend Platz, sodass man selbst zum Leser der Briefe wird, die auch durch ihre Hände gingen, im Radio verlesen wurden oder von der Stasi abgefangen wurden.

Denn auch dies ist ein gewichtiger Teil der BuO. Zwar konnten die Schreiber ihre Briefe relativ anonym versenden, zunehmend wurden die Briefe jedoch abgefangen und das Ministerium für Staatssicherheit scheute keine Mühen und Kosten, die Schreiber ausfindig zu machen. Ihnen drohten empfindliche Freiheitsstrafen. So erzählt Schädlich das Schicksal eines Schülers, welcher wegen seiner Briefe in Haft geriet.

Ich könnte mich nun auch weiter in Details verlieren. Oder ich könnte jedem Interessierten dieses Buch ans Herz legen. Und genau das tue ich. „Briefe ohne Unterschrift“ hat mir, die durch Zeitzeugen schon sehr viel erfahren konnte, ein weiteres Kapitel der DDR-Geschichte aufgezeigt und somit ein weiteres Stück zur Aufklärung einer bisher wenig besprochenen Geschichte beigetragen. Es eignet sich sowohl als Lektüre für Leser, die sich bereits mit der Geschichte der DDR vertraut gemacht haben und weitere Informationen möchte. Es eignet sich jedoch auch – und jenen möchte ich es ganz besonders ans Herz legen -, für Leser, die bisher kaum etwas über die DDR wissen. Nicht nur als in Thüringen geborene Person, auch als Mensch finde ich es wichtig, dass die Deutschen wissen, welches Unrecht bis ’89 im Osten des Landes herrschte und wie die Menschen nicht einmal wagen durften, frei das Wort zu ergreifen weil schon allein das Haft und Strafe hätte bedeuten können.

Rundum also ein sehr empfehlenswertes Buch, welches Susanne Schädlich ihren Lesern auf sehr spannende und keinesfalls wissenschaftlich-trockene Weise  präsentiert.

 

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