Susanne Preusker: Wenn das Glück mit dem Schwanz wedelt

Wenn das Glück mit dem Schwanz wedelt
von Susanne Preusker
Patmos Verlag
2012
174 Seiten
Erinnerungen, Tiere

 

Meinung

Susanne Preusker, mittlerweile leider verstorben, war Psychologin und arbeitete als solche im Gefängnis – bis zu jenem verhängnisvolle Tag, an dem sie von einem Häftling als Geisel gefangen und vergewaltigt wurde. In ihren Weg ins Leben kämpft sie sich eisern frei. Auf ihrem Weg begleiten sie ihr Mann, ihr Sohn und ab einem gewissen Punkt auch Kampfhündin Emmi. Aber wie geht man eigentlich damit um, wenn man im Tierheim von einem Kampfhundmädchen erwählt und sich als Laie den Herausforderungen des Hundealltag stellen muss?

Aus absolut urkomische Art erzählt Preusker aus ihrem Alltag mit Emmi und den Hürden, die die beiden oder besser gesagtt die gesamte Familie nehmen musste. Auf unterhaltender Ebene ein urkomisches Buch für Hundefreunde, auf fachlicher Ebene aber ebenfalls absolut ratsam. Und als Mensch, der aktuell ebenfalls einen Welpen – wenn auch nur Kampfmops – großzuziehen hat, eine wertvolle Quelle der Inspiration und ein Grund, nicht zu verzweifeln. Denn bei Emmi hat auch nicht alles auf Anhieb geklappt, aber trotzdem ist aus dem Hund mit dem halbbraunen Kopf so einiges, natürlich Gutes geworden.

 

Anika Lorenz: Im Herzen ein Schneeleopard

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Im Herzen ein Schneeleopard
von Anika Lorenz

Impress 2016
293 Seiten
Coming Of Age, Fantasy
eBook: 3,99 €

 

Inhalt

Emma tritt gefühlt auf der Stelle: All ihre Freundinnen studieren und erleben die Welt, sie jedoch hängt in ihrer Kleinstadt fest und hat einfach nicht genug Geld, sich das Studium zu finanzieren. Obendrein lebt sie allein mit ihrer Großmutter. Emmas Großvater ist verstorben, ihren Vater hat sie nie kennen lernen können und ihre Mutter interessiert sich nicht für die junge, talentierte Künstlerin mit dem Wunsch, Architektin zu werden.

Emma ist am verzweifeln, fühlt sich eingeengt und wird zu allem Überdruss von seltsamen Alpträumen heimgesucht. Dass der reiche und schöne Nathan in die Stadt zieht, ist die gefundene Aufmunterung für die junge Erwachsene. Nathan wird ihr nicht nur ein guter Freund, er verschafft ihr auch ihren ersten Job als Innenarchitektin. Doch als Emma beginnt, Gefühle für ihn zu hegen, distanziert Nate sich. Hat das etwa etwas mit den tierischen Angriffen in der Nachbarschaft zu tun, für die keiner eine Erklärung hat?

Die Ereignisse überschlagen sich, als auch Emmas bester Freund Daniel nur knapp einer Wildtierattacke entkommt. Und urplötzlich verändert sich Emmas Leben schlagartig.

Meinung

Inhaltlich und auf die Handlung bezogen hat mich der erste Band der Serie absolut überzeugt. Im Moment befinde ich mich so ein bisschen im Gestaltwandler-Fieber und da ist diese Reihe genau das Richtige. Sprachlich hingegen konnte Anika Lorenz mich nicht ganz überzeugen. Stellenweise fand ich den Schreibstil nicht wirklich ansprechend, wenig literarisch. Das fand ich sehr schade, da insbesondere die Charaktere in meinem Fall darunter gelitten haben. Irgendwie habe ich es nicht geschafft, Emma lieb zu gewinnen wie man es so häufig mit Protagonisten erlebt. Nate und Liam sind mir da schon etwas sympathischer, auch Lana schneidet gut ab. Emmas Freunde hingegen möchte ich im wahren Leben nicht recht kennen lernen.

Insgesamt hinterlässt mich das erste Buch also mit gemischten Gefühlen. Da mich die Geschichte sehr anspricht und ich mich zugegeben auch schon gespoilert habe und mir auch die Handlung im Folgenden sehr gut gefällt, bleibe ich dran. Ich hoffe jedoch, dass ich mich im Laufe der Serie etwas mehr für Charaktere und Schreibstil werde erwärmen können.

Gemeinsam Lesen 20.06.2018

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese „Im Herzen ein Schneeleopard“ von Anika Lorenz. Ich bin auf S.159/506.
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2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Hast du Lust auf Pizza und Billard?“, fragte Daniel.

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Ich habe das Buch eher aus der Not heraus begonnen. Als ich gestern unterwegs war, las ich „Seiten der Welt“ aus und hatte kein weiteres Buch mit. Also habe ich mir kurzerhand dieses Buch bei Skoobe ausgesucht, da ich zur Zeit total im Gestaltwandler-Modus bin (Danke, Nalini Singh!). Bis jetzt hat mich das Buch noch nicht zu 100% „abgeholt“, auch wenn ich es sehr mag. Aber es fehlt einfach dieses Mitfiebern, das man doch so oft bei sehr guten Büchern mit guten Couples hat. Mal schauen wie das wird, wenn ich etwas weiter gelesen habe. Momentan bin ich ja noch so gut wie am Anfang.

4.Verleihst du deine Bücher?  

Über die Frage habe ich an sich noch nie nachgedacht, da ich einfach niemanden weiß, dem ich sie leihen könnte. Die wenigen Freunde, die ich habe, lesen nicht. Und wenn ich meiner Mutti ein Buch gebe, ist es ja nur ein oder zwei Zimmer weiter – nicht aber richtig verliehen. Also ich denke, es kommt aufs Buch an. Bücher, zu denen ich nur eine geringe emotionale Bindung habe, gebe ich weg und würde ich ohne Zögern verleihen. Aber Lieblingsbücher oder jene Bücher mit einer besonderen persönlichen Bedeutung für mich, würde ich nur an ausgewählte Personen geben. Dazu zählt zB mein Exemplar der „Unendlichen Geschichte“, die ich schon 20 Jahre lang mein Lieblingsbuch nenne. Oder die Bücher, die ich von meinen Eltern oder meiner Oma geschenkt bekommen habe. Diese würde ich so schnell nicht aus der Hand geben und wenn, auch nur ungern.

Montagsfrage 18.06.2018

Welche/n Autor/in würdest du gerne mal treffen?

Leider sind die meisten Autoren, mit denen ich wirklich gerne einmal plaudern oder zumindest treffen würde, bereits tot: Wolfgang Herrndorf, Gabriel Garcia Marquez, Kafka. Auch wenn ich irgendwie bezweifle, dass Herrndorf und Kafka mit mir hätten reden wollen. Bei Marquez bin ich mir da nicht so sicher. Bei der „lebenden Fraktion“ würden mich einmal Autoren wie Juli Zeh und Judith Hermann reizen. Auch Daniel Kehlmann würde mich sehr interessieren. Autoren, an die ich eher weniger Fragen habe, die ich jedoch des „Fangirlens“ wegen sicher gerne einmal sehen würde, wären Nalini Singh und J.R.Ward. <3

Montagsfrage 11.06.2018

Gibt es eine Erzählperspektive, die du beim Lesen bevorzugst?

Meine Einstellung zu den Erzählperspektiven hat sich tatsächlich über die Jahre stark verändert. Früher mochte ich die Ich-Perspektive kaum, ich habe sie eher akzeptiert aber nicht genossen. Lieber war es mir, wenn allwissend in der dritten Person erzählt wurde. Warum das so war, weiß ich nicht. Als Teenager und insbesondere dann mit Twilight begann meine Liebe für den Ich-Erzähler. In dieser Zeit fand ich alles, was nicht in der Ich-Perspektive erzählt wurde ziemlich langweilig, wenn auch akzeptabel. Ich habe es genossen, mich in diese eine Person hinein zu versetzen, die Welt durch ihre Augen zu sehen, so gelang mir wahrscheinlich die Flucht in die geliebten anderen Welten besser. Mittlerweile, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, genieße und liebe ich sie alle. Ganz gleich ob personeller Ich-Erzähler, allwissender Erzähler, wechselnder Erzähler, und so weiter.

Das einzige, womit ich momentan ein wenig zu kämpfen habe, sind all zu unvorhersehbare Wechsel. Im Rahmen eines Seminars lese ich derzeit einige Bücher, die mitten im Satz die Perspektive wechsweln. Das empfinde ich teilweise noch als sehr verwirrend, auch wenn man sich daran gewöhnt, wenn man den Dreh einmal heraus hat. Aber die Perspektive meiner Wahl ist das wohl doch nicht und wird es so schnell auch nicht werden.

Abseits der Norm – der Dialektalitätswert

Schon lange habe ich mir vorgenommen, euch wieder mehr über mein Studium zu erzählen. Ich denke nämlich, dass gerade Leser und Bücherwürmer auch ein Interesse an Sprache per se haben. (Oder täusche ich mich?) Eine ganze Weile habe ich nichts mehr über meine anstehende, bzw. aktuell geschrieben werden wollende Masterarbeit erzählt. Heute möchte ich euch eine der zentralen Methoden zeigen, mit denen ich arbeite.

Bildergebnis für phonetic memeEs geht um den sogenannten Dialektalitätswert. Dieser zeigt auf, wie groß der Abstand zwischen dem tatsächlich Gesprochenen und dem „Standard“ ist. Standard, das ist die Aussprache, wie sie in Wörterbüchern zu finden ist und die man allgemein als „Hochdeutsch“ bezeichnen würde. Aber so redet ja niemand, na gut, fast niemand.

Um den Dialektalitätswert zu bestimmen, muss man zunächst einen Merkmalkatalog festlegen und die Abweichung von der Norm benennen. Weicht eine Aussprache nur gering vom Standard ab, wird dem Laut eine geringe Punktzahl zugeordnet, z.B. 0 oder 1. Ist der Unterschied hingegen sehr groß, kann man die Punktzahl 3 vergeben. Das wäre unter anderem dann der Fall, wenn man statt des Diphthongs <ei> einen langen Monophthong <e> spricht. Wer tut denn sowas, fragt ihr euch? Wir, die Thüringer, zum Beispiel. Die Beine werden bei uns oft zu den „Beenen“. Auch die Vokale an sich können sich verändern, ö zu e oder gar i. Wer das tut? Wieder die Thüringer. Hier wird aus schön auch schnell mal ein „schee“ oder aus böse ein „biese“. (Nicht gerade im Alltag, aber meine Uroma sprach noch ganz regulär so!)

Und was bringt mir das jetzt? Konkret in meinem Fall errechne ich Laut für Laut diesen Wert für meine Probanden. Hierfür nehme ich Stichproben aus den Jahren 2003, ca 2010 und 2017. Es wird dann ein Durchschnitt für jedes Jahr erreichnet und das Ganze wird dann verglichen. So kann ich sehen, ob der Dialektalitätswert zu Beginn höher oder niedriger war, oder ob der Gebrauch des Dialekts bei dem jeweiligen Sprecher gleichbleibend ist. Dies führt mich der Beantwortung meiner Forschungsfrage, ob sich die Sprache im Laufe einer Biografie verändert, einen gewaltigen Schritt näher.

Wie ist das mit euch? Sprecht ihr Dialekt oder eine andere Variante des Deutschen (z.B. Jugendsprache)? Macht ihr euch überhaupt Gedanken darüber, ob eure Sprache von der Norm „abweicht“? Und was denkt ihr, wieviele Menschen sprechen überhaupt richtiges „Standarddeutsch“?

Montagsfrage // 04.06.2018

 

Wenn du Bücher mit in den Sommerurlaub nimmst, liest du dann typische, leichte Sommerlektüre oder einfach ganz normal Bücher wie sonst auch?

Einen wirklichen „Sommerurlaub“ kenne ich nicht und mag ich glaube ich auch nicht 😀 Das hat zwei Gründe:
Unser Familienbetrieb lässt Urlaube in den Sommermonaten aufgrund der Saisonabhängigkeit nicht zu. Wenn man Speiseeis herstellt, sind Urlaube im Sommer schlichtweg nicht drin. Aber, und damit sind wir bei Grund Nummer zwei, das macht nichts. Ich bin ein Sommerhasser, ja, richtig gelesen. Ich mag den Sommer nicht und sobald es warm wird, bekommen mich keine 10 Pferde aus dem kühlen Haus. Ein Hoch auf unser altes Bauernhaus, wo man auch bei 30 Grad Außentemperatur einen Pullover in den Räumen braucht.

Nehmen wir nun aber einmal an, ich HÄTTE Sommerurlaub, würde fort fahren oder auf Balkonien chillen – was dann? Ich glaube dann würde ich auch keine saisonale Lektüre mitnehmen, ich lese eher, was mir gerade so in die Hände fällt. Ist das ein Buch, das im Sommer spielt? Okay. Ist es keines, auch okay. Richtig saisonal lese ich maximal im Winter, da ich sehr gerne um die Weihnachtszeit dann einige Weihnachtsklassiker lese. Aber es kommt wie gesagt selbst dann eher selten vor, dass ich mir Bücher suche, die zur Jahreszeit passen.

Montagsfrage 14.05.2018

Magst du lieber dicke oder dünne Bücher, oder ist es dir egal? Warum?

An sich ist es mir ganz gleich, ob ein Buch dick oder dünn ist. Ist ein Buch sehr gut und zieht es einen in seinen Bann, darf es gern einige Seiten mehr haben. Liest es sich langatmig, ist der Blick auf die verbleibenden 900 Seiten ernüchternd. (Abbrechen gibt’s für mich nicht, ich lese dann bis zum Umfallen.) In der Regel mag ich am liebsten Reihen und die einzelnen Bände um die 300 Seiten. Das liest sich flott nacheinander, aber man muss nicht so rasch von den Protas Abschied nehmen.

 

Montagsfrage // 11.05.2018

 

Eine wirkliche Leseliste habe ich aktuell nicht. Meist handelt es sich bei meiner Leseliste bloß um den Zettel der Bibliothek, welche Bücher ich bitte wann zurückzugeben habe. Im Moment habe ich allerdings alle geliehenen Bücher ausgelesen und überbrücke die Zeit bis zum nächsten Bib-Besuch mit eBooks via Skoobe. Eine wirkliche Leseliste habe ich da aber nicht. Mal schauen, was ich demnächst lesen werde. Im Moment lese ich ohnehin sehr viel für die Uni, sodass „Privatlektüre“ eher hintan steht.

Daniel Kehlmann: Du hättest gehen sollen

Du hättest gehen sollen
Daniel Kehlmann
96 Seiten
Rowohlt Verlag
2016
Gegenwartsliteratur

Ein einsam gelegenes Ferienhaus. Tief unten das Tal mit seinen würfelkleinen Häusern, eine Serpentinenstraße führt hinauf. Das kalte Blauweiß der Gletscher, schroffer Granit, die Wälder im Dunst – es ist Dezember, Vorweihnachtszeit. Ein junges Ehepaar mit Kind hat sich für ein paar Tage dieses komfortable Haus gemietet, doch so richtig aus der Welt sind sie nicht: Das Kind erzählt wirre Geschichten aus dem Kindergarten, die Frau tippt Nachrichten auf dem Telefon, und der Mann – ein Drehbuchautor, von dem ein Produzent den zweiten Teil seiner erfolgreichsten Komödie erwartet – schreibt Ideen und Szenen in sein Notizbuch. Aber mehr und mehr notiert er auch anderes – eheliche Spannungen, Zwistigkeiten, vor allem die seltsamen Dinge, die rings um ihn geschehen. Denn mit dem Haus stimmt etwas nicht. 
Daniel Kehlmanns phantastische Erzählung ist im doppelten Wortsinn unheimlich, die Spirale in den Abgrund entwickelt einen starken Sog – umso mehr, als dem Schrecken etwas zur Seite gestellt wird: die wechselnden Stimmungen in der Familie, das Nebeneinander von Liebe und Gereiztheit, die Sorge um das Kind. «Das Geheimnis ist, dass man sich ja doch liebt.» Ist es so? Allmählich verschwimmen die Konturen, und der Boden beginnt zu wanken.

Es beginnt unverfänglich. Ein Drehbuchautor fährt in die Berge, seine Familie begleitet ihn. Auf der Suche nach Inspiration, die Liebe ergründend, das Kind liebend. Eine ganz normale Geschichte. Doch allmählich beginnt die Welt des Protagonisten zu wanken, zu schwanken. Ein Sog zieht ihn nach unten, immer weiter in eine Spirale. Er läuft und kommt seinem Ziel doch nicht näher. Und der Leser begleitet ihn in diesem Strudel.
Sprachlich ein Meisterwerk, ist besonders der Aufbau auch noch einmal hervorzuheben. Man liest das Notizbuch des Drehbuchautors, welcher immer wieder tagebuchartig sein Leben festhält und dann doch wieder Ideen für seinen neuen Film. Die Übergänge sind fließend, nicht gekennzeichnet und virtuos eingebettet.
Insgesamt ein wundervolles Werk, welches die Sprachgewalt des Deutschen ausschöpft und seinen Leser in den Bann zieht.