Amy Gentry: Good As Gone

 

Good As Gone
Amy Gentry
C, Bertelsmann Verlag
2017
320 Seiten
Krimi // Thriller

Autorin Amy Gentry ist freie Literaturkritikerin und unterrichtet, wie auch ihre Protagonistin, englische Literatur an einer Universität. In ihrem Roman „Good As Gone“ hat das Ehepaar Anna und Tom mit dem wahrscheinlich schlimmsten Schicksalsschlag zu kämpfen, welches Eltern zustoßen kann: Tochter Julie wurde mit 13 Jahren aus ihrem Kinderzimmer entführt. Nur Julies jüngere verängstigte Schwester Jane sieht mit an, wie ein Mann ihre Schwester aus dem Haus führt.

Und das ist, der einzigen Augenzeugin zufolge, die Geschichte, wie ich in einer Nacht meine Tochter – nein, meine beiden Töchter, einfach alles – verloren habe.

Acht Jahre später ist aus Jane ein rebellischer Teenager geworden, der aufs College geht. Anna kann ihre Tochter nicht mehr erreichen. Neidisch blickt sie auf die Beziehung zwischen Tom und ihrer jüngeren Tochter, die einander sehr nahe stehen. Als Jane zu Besuch kommt und soeben das Abendessen angerichtet werden soll, klingelt es plötzlich an der Tür. Ein verwahrlostes, engelsblondes Mädchen steht vor dem Haus. Julie ist wieder da. Oder wer auch immer das ist, der vor der Tür steht. Denn bald schon beschleichen Anna erste Zweifel an der Identität der jungen Frau.

Die in „Good As Gone“  verwendete Sprache ist eindeutig die, einer durch und durch mit der Literatur verwobenen Autorin. Trotz der leicht verständlichen Wortwahl, mangelt es dem Roman an keiner Stelle an Spannung oder Lesegenuss. Nach und nach wird der Leser in die Geschichte eingeweiht, die hinter dem Mädchen steht, welches sich als Julie vorstellt. Dies geht Gentry sehr geschickt an. In die lineare Handlung werden immer wieder Kapitel eingefügt, die ein Puzzlestück aus Julies Vergangenheit beleuchten. So wird der Leser regelmäßig in eine frühere Episode aus dem Leben der jungen Frau versetzt und lernt sie so, nach und nach, kennen. Interessant ist hierbei vor allem, dass diese „Sonderkapitel“ die Geschichte rückwärts aufdecken, beginnend also mit der Gegenwart und immer weiter in die Vergangenheit sinkend.

Was wahr scheint, ist falsch. Was falsch scheint, stellt sich als wahr heraus. Geheimnisse werden aufgedeckt. Amy Gentry hat ein phänomenales Konstrukt mit dem ein oder anderen absolut nicht zu erahnenden Plot Twist erdacht. So bleibt die Spannung und des Rätsels Lösung tatsächlich bis auf die letzten Seiten bewahrt.

Die Personen im Roman sind sehr schön dargestellt. Wobei hier der Detailreichtum von Person zu Person variiert, je nach spielender Rolle. Das meiste erfahren wir Leser wohl von Julie und Anna. Aus Sicht letzterer sind auch alle Kapitel bis auf jene Rückblenden geschrieben. Jane und Tom hingegen sind etwas weniger plastisch, was aber keinesfalls negativ sein soll. Im Fokus stehen ja Mutter und Tochter.

Ja, was lässt sich insgesamt zu „Good As Gone“ sagen? Ich steckte wirklich in einer fiesen Leseflaute, als ich zu diesem Buch griff. Es war nicht recht lang, sah gut leserlich aus und wirkte spannend. Ich hatte einfach die Hoffnung, mal wieder ein bisschen Schwung in die Sache zu bekommen. Zu einem besseren Buch hätte ich wohl nicht greifen können. „Good As Gone“ las sich in einem Rutsch. Ich konnte es kaum aus der Hand nehmen. Ganz gleich wohin ich ging, es steckte in der Tasche, damit ich auch jede freie Minute damit verbringen kann. Spannung hoch unendlich, ehrlich! Und dann dieses Ende, absolut unverhersehbar. Zumindest war es das für mich Ich kann den Roman daher nur absolut empfehlen. Ein klassischer Thriller ist es vielleicht nicht gerade. Aber ein Roman, der auf sehr spannende Art die Psyche eines Entführungsopfers darlegt und eine tragische Familiengeschichte offenbart.

„Good As Gone“ wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

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J.R.Ward: Racheengel

 

Racheengel
Black Dagger, Bd. 13
J.R.Ward

 

Heyne Verlag
464 Seiten
Fantasy, Romantasy, Vampire

Inhalt

Rehvenge ist der eiskalte Drogenboss unter den Vampiren. Sein großes Geheimnis? Er ist zudem ein halber Sympath. Und die  haben es nicht leicht, denn werden sie enttarnt, werden sie in eine Kolonie deportiert. Rehv muss daher auf der Hut sein und sich seine Freiheit teuer erkaufen. Seine Psyche und auch sein Körper leiden immens. So ist er auch regelmäßiger Gast in der Vampirklinik, denn dort bezieht er sein Dopamin, welches seine Sympathenseite unterdrücken kann. Doch in der Klinik lernt er Ehlena kennen, eine Vampirin die es auch nicht sonderlich leicht hat. Er verliebt sich in sich, doch durch sein Wesen bringt er sie in große Gefahr.

 

Meinung

Wie gewohnt nimmt mich J.R.Ward in ihren Bann gefangen. Black Dagger ist einfach eine geniale Serie, da beißt die Maus keinen Faden ab. Im Gegensatz zu anderen Teilen war diesmal leider etwas wenig Handlung vorhanden. Ich hatte das Gefühl, dass der Spannungsbogen was die Rahmenhandlung betrifft, etwas flach war diesmal. Dafür standen Rehvs Gefühle für Ehlena im Vordergrund, was nicht weniger spannend war. Die beiden sind tolle Charaktere. Rehv ist durch seine Sympathenseite natürlich ein sehr spannender Typ. Immer wieder gegen sich selbst und seine Instinkte ankämpfend, eine dunkle Seite in sich tragend. Ward setzt das sehr toll um. Man kann den inneren Zwiespalt recht gut fühlen, noch besser aber die Wandlung, als er erkennt, dass er für Ehlena Gefühle hegt. Und die ist auch nicht zu verachten. Sie lebt in einer schäbigen Bruchbude gemeinsam mit ihrem an einer psychischen Erkrankung leidenden Vater. Sie haben also beide ihr Kreuz zu tragen. Offen bleibt, ob sie einander Stütze sein können.

 

 

 

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