Montagsfrage 14.05.2018

Magst du lieber dicke oder dünne Bücher, oder ist es dir egal? Warum?

An sich ist es mir ganz gleich, ob ein Buch dick oder dünn ist. Ist ein Buch sehr gut und zieht es einen in seinen Bann, darf es gern einige Seiten mehr haben. Liest es sich langatmig, ist der Blick auf die verbleibenden 900 Seiten ernüchternd. (Abbrechen gibt’s für mich nicht, ich lese dann bis zum Umfallen.) In der Regel mag ich am liebsten Reihen und die einzelnen Bände um die 300 Seiten. Das liest sich flott nacheinander, aber man muss nicht so rasch von den Protas Abschied nehmen.

 

Montagsfrage // 11.05.2018

 

Eine wirkliche Leseliste habe ich aktuell nicht. Meist handelt es sich bei meiner Leseliste bloß um den Zettel der Bibliothek, welche Bücher ich bitte wann zurückzugeben habe. Im Moment habe ich allerdings alle geliehenen Bücher ausgelesen und überbrücke die Zeit bis zum nächsten Bib-Besuch mit eBooks via Skoobe. Eine wirkliche Leseliste habe ich da aber nicht. Mal schauen, was ich demnächst lesen werde. Im Moment lese ich ohnehin sehr viel für die Uni, sodass „Privatlektüre“ eher hintan steht.

Daniel Kehlmann: Du hättest gehen sollen

Du hättest gehen sollen
Daniel Kehlmann
96 Seiten
Rowohlt Verlag
2016
Gegenwartsliteratur

Ein einsam gelegenes Ferienhaus. Tief unten das Tal mit seinen würfelkleinen Häusern, eine Serpentinenstraße führt hinauf. Das kalte Blauweiß der Gletscher, schroffer Granit, die Wälder im Dunst – es ist Dezember, Vorweihnachtszeit. Ein junges Ehepaar mit Kind hat sich für ein paar Tage dieses komfortable Haus gemietet, doch so richtig aus der Welt sind sie nicht: Das Kind erzählt wirre Geschichten aus dem Kindergarten, die Frau tippt Nachrichten auf dem Telefon, und der Mann – ein Drehbuchautor, von dem ein Produzent den zweiten Teil seiner erfolgreichsten Komödie erwartet – schreibt Ideen und Szenen in sein Notizbuch. Aber mehr und mehr notiert er auch anderes – eheliche Spannungen, Zwistigkeiten, vor allem die seltsamen Dinge, die rings um ihn geschehen. Denn mit dem Haus stimmt etwas nicht. 
Daniel Kehlmanns phantastische Erzählung ist im doppelten Wortsinn unheimlich, die Spirale in den Abgrund entwickelt einen starken Sog – umso mehr, als dem Schrecken etwas zur Seite gestellt wird: die wechselnden Stimmungen in der Familie, das Nebeneinander von Liebe und Gereiztheit, die Sorge um das Kind. «Das Geheimnis ist, dass man sich ja doch liebt.» Ist es so? Allmählich verschwimmen die Konturen, und der Boden beginnt zu wanken.

Es beginnt unverfänglich. Ein Drehbuchautor fährt in die Berge, seine Familie begleitet ihn. Auf der Suche nach Inspiration, die Liebe ergründend, das Kind liebend. Eine ganz normale Geschichte. Doch allmählich beginnt die Welt des Protagonisten zu wanken, zu schwanken. Ein Sog zieht ihn nach unten, immer weiter in eine Spirale. Er läuft und kommt seinem Ziel doch nicht näher. Und der Leser begleitet ihn in diesem Strudel.
Sprachlich ein Meisterwerk, ist besonders der Aufbau auch noch einmal hervorzuheben. Man liest das Notizbuch des Drehbuchautors, welcher immer wieder tagebuchartig sein Leben festhält und dann doch wieder Ideen für seinen neuen Film. Die Übergänge sind fließend, nicht gekennzeichnet und virtuos eingebettet.
Insgesamt ein wundervolles Werk, welches die Sprachgewalt des Deutschen ausschöpft und seinen Leser in den Bann zieht.