Autor werden: Vom Leser zum Autor?

Vom Leser zum Autor?

Ich bin nun 26 Jahre. Und das auch nur noch für einige wenige Tage. Mein größter Wunsch war es bereits ein Kind, eine Geschichte zu schreiben und sie, im besten Fall, zu veröffentlichen – Autor zu werden. Ich erinnere mich, wie ich als Zehnjährige an der Schreibmaschine saß und eifrig tippte, wie ich mehrere DinA4-Hefte mit Ideen vollschrieb – und doch keine beendete.

Es sind fast 17 Jahre vergangen. Wieso also sitze ich noch immer hier, mit dem unerfüllten Wunsch? Weil ich ein Mensch bin, der nur allzugerne Dinge beginnt und nicht beendet. Weil ich kritisch werde. Weil ich meine Geschichten in Frage stelle, sie für nicht gut genug befinde und dann klein beigebe: Lass das Schreiben doch den anderen.

Wie viele Geschichten wohl so begonnen und dann in der Schublade vergraben wurden? Ich habe sie nicht gezählt. Jedoch möchte ich endlich meinem Wunsch nachgehen und schreiben. Ideen habe ich.  Und auch das positive Feedback, dass ich es schaffen könnte. Nur das Durchhaltevermögen kam mir abhanden. Darum möchte ich mein Schreibprojekt von nun an auch auf dem Blog vorstellen, Updates einpflegen und nun also den Schritt vom Leser hin zum Autor gehen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mich auf diesem Weg begleitet 🙂 Vielleicht, um euch ein bisschen neugierig zu machen, noch einige Details zu meinen Ideen. Geplant habe ich, in meinem Lieblingsgenre zu schreiben: kriminalistisch angehauchte Urban Fantasy. Gestaltwandler und alte Mythen spielen ebenso eine Rolle, wie Familie und Tragödien. Wohin die Reise führt, das weiß ich hingegen noch nicht.

 

Tanja Kinkel: Grimms Morde

Grimms Morde
von Tanja Kinkel
480 Seiten
Droemer
Oktober 2017
Historischer Roman

 

Verzweifelt stehe ich vor einem Stapel Bücher – meinem SUB. Ich fahre mit den Fingern die Buchrücken entlang: Nein. Darauf auch keine Lust. Nö. Die Zeit hängt mir schon im Nacken, aber ohne Buch verlasse ich das Haus definitiv nicht. Was während der Zugfahrt tun? Was in den Pausen? Superheldin Mama kam dann zur Rettung und drückte mir ein Buch in die Hand, dessen Titel mich bereits enorm neugierig machte: Grimms Morde. 

Worum geht es?

Ein schrecklicher Mord geschieht mitten im Kasseler Adel. Die ehemalige Mätresse des alten Kurfürsten wurde auf grausame, aus einem Märchen stammende Art ermordet. Bei ihr ein Zitat, das direkt auf den Hofbibliothekar Jacob Grimm und dessen Bruder verweist, haben sie doch das zitierte Märchen herausgegeben. Ursprünglich jedoch haben sie es von den Schwester Droste zu Hülshoff, die sich in der Schuld stehend sehen und sofort aufbrechen, um den Brüdern zu Hilfe zu eilen. Gemeinsam ermitteln die Droste-Schwestern und die Gebrüder Grimm, wer auf solch bestialische Weise mordet – doch es bleibt nicht bei diesem einen Mord.

Meinung

„Grimms Morde“ muss man zerpflücken, um ihn in seiner Exzellenz dar zu stellen. Zum einen trifft der Leser auf eine enorm spannende Kriminalgeschichte, die weit in die Tiefen des Adels, in die Politik und die französisch geprägte Geschichte hinein ragt. Dabei setzt Kinkel nicht auf effekthaschende Elemente, sondern bietet dem Leser eine ausgeklügelte, sich immer wieder windende Geschichte, die zum Mitdenken und Miträtseln animiert.

Eine weitere sehr wichtige Ebene stellt jene dar, auf der die Geschwister genauer betrachtet werden. Sowohl das Verhältnis zwischen Jenny und Annette von Droste zu Hülshoff, als auch das zwischen Jacob und Wilhelm Grimm dürfte als einzigartig gelten. Mit Annette und Jacob sehen sich je Geschwisterkinder konfrontiert, die dem Exzentrischeren behütend und schlichtend zur Seite stehen. Vielleicht war es das, was Jenny und Wilhelm verband, die (auch im realen Leben) eine lebenslange Brieffreundschaft verband.
Während Annette als zu unweiblich und aufrührend wahrgenommen wird und so auf die Ablehnung ihrer Verwandten trifft, vertieft sich Jacob nahezu fanatisch in seine Wissenschaften und wirkt so der Welt oftmals entrückt, vor allem aber jenen Menschen, die darin leben. Interessant wird es daher vor allem, wenn die beiden so starken Persönlichkeiten aufeinander treffen.

Die Personen wurden von Kinkel hervorragend recherchiert und (wieder) zum Leben erweckt. Ich gebe zu, (nicht nur) als Germanistin bin ich ein riesengroßes Fangirl der Brüder Grimm. Jacob gilt nicht zuletzt als Begründer meiner Wissenschaft. Ihn nun auf so hervorragende Weise als literarische Figur umgesetzt zu sehen, hat mir zutiefst gefallen. Auch Annette, Jenny und Wilhelm wurden von Kinkel ebenso gut getroffen, wie all jene erfundenen und nicht erfundenen Nebenfiguren.

Damit wären wir dann auch schon beim nächsten Punkt: Das Spiel mit der Realität und der Fiktion. Tatsächlich beruhen sehr viele Aspekte des Romans auf (gut recherchierten) wahren Begebenheiten. Der immer wieder thematisierte Bökendorf-Vorfall fand ebenso statt, wie die Brieffreundschaft zwischen Wilhelm und Jenny. Aus Neugier habe ich immer einmal wieder recherchiert und bin z.B. auf Briefe der Annette zu Droste gestoßen, in denen sie den Vorfall beschreibt. In diesem Moment war es schwer, Realität und Fiktion auseinander zu halten, so gut hat Kinkel die realen Personen getroffen und nachempfunden.

Insgesamt ein wirklich wundervoller, gut recherchierter, amüsant und spannend geschriebener historischer Roman, den es zu lesen lohnt.

Masterarbeit abgegeben; oder: so geht es weiter

Es machte flupp und dann war das Ding im Briefkasten versenkt, unwiderruflich. Da hätte sich eigentlich ein Gefühl von Freude oder Erleichterung einstellen sollen, doch so ging es mir nicht. Eher ein Gefühl der Schwermut. Kennt ihr das, wenn ihr etwas so gerne tut und dann damit aufhören müsst? Genau so fühlte sich das Abgeben meiner Masterarbeit an.

Das ist nun schon wieder fünf Tage her. Und bis auf die Erleichterung, nicht mehr rund um die Minute das Gefühl zu haben, etwas erledigen zu müssen, hat sich kein positives Gefühl eingestellt. Dennoch schaue ich nach vorne, denn da erwarten mich nun bald spannende, neue Dinge:

Wie vielleicht der ein oder andere schon weiß, werde ich mich nun endgültig als Lektorin/Korrektorin/Wortjongleurin selbstständig machen. Lange habe ich überlegt, welchen Weg ich nun gehen soll und ich sehe mich einfach in keinem 9to5-Job mit einem Vorgesetzten vor der Nase. Zudem bietet mir die Selbstständigkeit jene freie Zeiteinteilung inklusive finanzieller Sicherheit, die ich für das große Kommende brauche: ein Zweitstudium. 

Wo viele sich denken: Gott sei Dank, endlich ins Berufsleben, raus aus der Uni – da dachte ich mir: och nö, bitte nicht. Und deswegen werde ich auch genau diesen Weg nicht gehen. Ab Oktober werde ich mit einem weiteren Bachelor beginnen. Und auch die Fächerkombination steht schon fest: Anglistik/Amerikanistik und Slawistik (Russistik).

So traurig ich über mein Ausscheiden an der Universität Leipzig bin und meiner Germanistik nachtrauere, freue ich mich schon darauf, nun in weitere Sprachen einzutauchen, neue Literaturen zu studieren, neue Grammatiken zu zerpflücken! Und ich erfülle mir zudem damit einen Herzenswunsch.

Viele Jahre war es mein sehnlichster Traum Russisch zu  lernen. Der Plan war, irgendwann einen Kurs zu machen. Bei der Suche nach einem Zweitfach stolperte ich dann über folgenden Satz: „Russistik ohne Vorkenntnisse“. Oha? Keine Vorkenntnisse benötigt? Nach weiteren Recherchen fand ich heraus, dass das Studium der Russistik tatsächlich möglich ist für jemanden wie mich, der lediglich einige Worte und das Alphabet entziffern kann. Voraussetzung sind studienbegleitende Intensivkurse, kein Problem.

Und so beginnt dann im September mein Propädeutikum, eine Art Intensivkurs, in Russisch. Im Oktober beginnt das Studium.

Natürlich habe ich mir sehr viel vorgenommen. Das Ziel am Horizon ist immer noch klar und deutlich: der Doktortitel. Doch auch der Blog soll nun endlich wieder aufleben. Ich liebe ihn viel zu sehr, als dass ich mich nicht mehr engagieren möchte und sollte. Also auch was das angebelangt werdet ihr hier bald neuen Content finden. Zudem werde icha uch ab und an aus dem Alltag als „Bucharbeiter“ bloggen; also alles rund um Lektorat, Korrektorat, usw.

Stay tuned 🙂

Susanne Preusker: Wenn das Glück mit dem Schwanz wedelt

Wenn das Glück mit dem Schwanz wedelt
von Susanne Preusker
Patmos Verlag
2012
174 Seiten
Erinnerungen, Tiere

 

Meinung

Susanne Preusker, mittlerweile leider verstorben, war Psychologin und arbeitete als solche im Gefängnis – bis zu jenem verhängnisvolle Tag, an dem sie von einem Häftling als Geisel gefangen und vergewaltigt wurde. In ihren Weg ins Leben kämpft sie sich eisern frei. Auf ihrem Weg begleiten sie ihr Mann, ihr Sohn und ab einem gewissen Punkt auch Kampfhündin Emmi. Aber wie geht man eigentlich damit um, wenn man im Tierheim von einem Kampfhundmädchen erwählt und sich als Laie den Herausforderungen des Hundealltag stellen muss?

Aus absolut urkomische Art erzählt Preusker aus ihrem Alltag mit Emmi und den Hürden, die die beiden oder besser gesagtt die gesamte Familie nehmen musste. Auf unterhaltender Ebene ein urkomisches Buch für Hundefreunde, auf fachlicher Ebene aber ebenfalls absolut ratsam. Und als Mensch, der aktuell ebenfalls einen Welpen – wenn auch nur Kampfmops – großzuziehen hat, eine wertvolle Quelle der Inspiration und ein Grund, nicht zu verzweifeln. Denn bei Emmi hat auch nicht alles auf Anhieb geklappt, aber trotzdem ist aus dem Hund mit dem halbbraunen Kopf so einiges, natürlich Gutes geworden.