Susanne Preusker: Sieben Stunden im April

Sieben Stunden im April  – Meine Geschichten vom Überleben 
von Susanne Preusker

192 Seiten
Goldmann Verlag
2013
Biografie & Erinnerungen

Ihre Geschichte eroberte die Medien im Handumdrehen: Gefängnispsychologin an ihrem Arbeitsplatz, dem Hochsicherheitsgefängnis Straubing, von Hälftling gefangen genommen und über Stunden mehrfach vergewaltigt.  
In diesem Buch schildert Preusker neben einigen wenigen Rückblenden (die wirklich schwer zu ertragen sind), wie sie in ihr zweites, in ihr neues Leben finden konnte und wie sie es schaffte, diese Tat zu überleben. In jedem Kapitel nennt sie eine Person, ein Ritual, ein Objekt – all die scheinbar kleinen Dinge, die jedoch ihren Teil dazu beitrugen, dass sie überlebte. 

So ergibt sich nach und nach ein Bild davon, wie soziale Kontakte und Kleinigkeiten als Auffangnetz dienen können, einer Frau aus einem Tief heraus zu helfen, das kaum zu überwinden scheint. Eindrucksvoll zeigt Preusker auf, wie nur wenige Stunden das ganze Leben eines Menschen so maßgeblich auf den Kopf stellen können, dass das „alte“ Leben einfach so beendet wird.

Ich hätte die Zusammenfassung des Buches sehr gerne mit den Worten geschlossen, dass dies ein Buch über das Überleben ist und dass man es schaffen kann. Doch leider hat Frau Preusker neun Jahre nach der schweren Tat Selbstmord begangen, letztendlich also hat der Horror gesiegt. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen zeigt das Buch auf, wie wichtig die Betreuung von Opfern ist und wieviel schon Kleinigkeiten helfen können. 

Ella Dohl: Nur Du

Nur Du
von Ella Dohl

210 Seiten
Selfpublisher
Juli 2018
Liebesroman
Taschenbuch (10,65€)
eBook (2,99 €)

 

Klappentext

Patrizia ist normalerweise ängstlich und zurückhaltend. Dafür gibt es Gründe! Doch an einem wunderschönen Sommertag ist sie es nicht und genau da trifft sie auf Pascal. Er versteht, dass er es mit ihr langsam angehen muss. Doch wie soll das funktionieren? Wenn sie den Raum betritt, bleibt die Zeit stehen. Patrizias „Job“ ist Taschendiebstahl und eine Schule hat sie nur bis zur fünften Klasse besucht. Offiziell gibt es sie gar nicht! Genau das findet Pascal, der Junge aus gutem Elternhaus interessant an ihr. Er gerät durch sie immer tiefer und tiefer in ein dunkles Milieu. Wird er bis zum Schluss durchhalten und um sie kämpfen? Oder wird sich Patrizia womöglich am Ende doch für Monica oder sogar Nona entscheiden? Patrizia hat die Hoffnung auf ein besseres Leben verloren. Bis sie Pascal und Monica kennenlernt. Wird es ihr gelingen ihre inneren Fesseln zu lösen und sich von den Menschen zu trennen die ihr Schaden?

Inhalt

Patrizia hatte es nicht leicht in ihrem Leben: sie lebte auf der Straße und landete letztendlich bei Nona, für die sie klauen muss. Doch wenigstens hat sie ein Zuhause. Tief in sich gekehrt, lässt Patrizia keine Nähe zu. Sie fürchtet sich vor den Konsequenzen. Doch dann treten Monica und Pascal in ihr Leben und plötzlich verändert sich einfach alles. Doch schafft es Patrizia, sich von Nona zu befreien? Und welche Opfer wird dieser Schritt fordern?

Meinung

„Nur Du“ gehört vermutlich nicht zu meiner typischen Beute. Dennoch bin ich schlicht und ergreifend froh, darüber „gestolpert“ zu sein. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Buchprojekt um ein von mir als Lektorin betreutes und zählt so definitiv zu jenen Projekten, die mir zeigen, warum ich meinen Job liebe.

In „Nur Du“ vermischt Ella Dohl so viele Facetten, dass der Roman den Leser auf voller Breite mit Action, Romantik, Thrill und Nachdenklichem bedient. Patrizia ist nicht die typische Heldin. Sie nimmt Drogen, um auf Diebestour zu gehen. Sie ist innerlich so zerbrochen, dass sie immer wieder zu ihren Peinigern zurück kehrt und es einfach nicht schafft, sich zu emanzipieren. Und genau da zeigt Ella Dohl auch auf, was Liebe und Freundschaft bewirken können. Erst als Monica und Pascal in ihr Leben treten, beginnt Patrizia sich zu entfalten.

Erzählerisch ist „Nur Du“ auch ganz großes Kino. Die so unterschiedlichen Protagonisten werden plastisch beschrieben. Es ist mir, als würde ich Pascal und Patrizia kennen. Der Autorin ist es dabei gelungen, Helden mit Ecken und Kanten zu schaffen. Keine glorifizierten Jugendlichen.
Die Geschichte baut enorme Spannung auf, die auf keiner Seite verloren geht und sich letztendlich in einem fulminanten Paukenschlag entlädt. (So viel: Das Ende hat es wirklich in sich und war für mich nicht einmal im Ansatz vorhersehbar. Packt die Taschentücher aus!)

Insgesamt hat mich Ella Dohl gänzlich mit ihrem Roman überzeugt. Ihr weiterer Roman „ForEverYou“ steht zumindest schon auf meiner Leseliste.

Tanja Kinkel: Grimms Morde

Grimms Morde
von Tanja Kinkel
480 Seiten
Droemer
Oktober 2017
Historischer Roman

 

Verzweifelt stehe ich vor einem Stapel Bücher – meinem SUB. Ich fahre mit den Fingern die Buchrücken entlang: Nein. Darauf auch keine Lust. Nö. Die Zeit hängt mir schon im Nacken, aber ohne Buch verlasse ich das Haus definitiv nicht. Was während der Zugfahrt tun? Was in den Pausen? Superheldin Mama kam dann zur Rettung und drückte mir ein Buch in die Hand, dessen Titel mich bereits enorm neugierig machte: Grimms Morde. 

Worum geht es?

Ein schrecklicher Mord geschieht mitten im Kasseler Adel. Die ehemalige Mätresse des alten Kurfürsten wurde auf grausame, aus einem Märchen stammende Art ermordet. Bei ihr ein Zitat, das direkt auf den Hofbibliothekar Jacob Grimm und dessen Bruder verweist, haben sie doch das zitierte Märchen herausgegeben. Ursprünglich jedoch haben sie es von den Schwester Droste zu Hülshoff, die sich in der Schuld stehend sehen und sofort aufbrechen, um den Brüdern zu Hilfe zu eilen. Gemeinsam ermitteln die Droste-Schwestern und die Gebrüder Grimm, wer auf solch bestialische Weise mordet – doch es bleibt nicht bei diesem einen Mord.

Meinung

„Grimms Morde“ muss man zerpflücken, um ihn in seiner Exzellenz dar zu stellen. Zum einen trifft der Leser auf eine enorm spannende Kriminalgeschichte, die weit in die Tiefen des Adels, in die Politik und die französisch geprägte Geschichte hinein ragt. Dabei setzt Kinkel nicht auf effekthaschende Elemente, sondern bietet dem Leser eine ausgeklügelte, sich immer wieder windende Geschichte, die zum Mitdenken und Miträtseln animiert.

Eine weitere sehr wichtige Ebene stellt jene dar, auf der die Geschwister genauer betrachtet werden. Sowohl das Verhältnis zwischen Jenny und Annette von Droste zu Hülshoff, als auch das zwischen Jacob und Wilhelm Grimm dürfte als einzigartig gelten. Mit Annette und Jacob sehen sich je Geschwisterkinder konfrontiert, die dem Exzentrischeren behütend und schlichtend zur Seite stehen. Vielleicht war es das, was Jenny und Wilhelm verband, die (auch im realen Leben) eine lebenslange Brieffreundschaft verband.
Während Annette als zu unweiblich und aufrührend wahrgenommen wird und so auf die Ablehnung ihrer Verwandten trifft, vertieft sich Jacob nahezu fanatisch in seine Wissenschaften und wirkt so der Welt oftmals entrückt, vor allem aber jenen Menschen, die darin leben. Interessant wird es daher vor allem, wenn die beiden so starken Persönlichkeiten aufeinander treffen.

Die Personen wurden von Kinkel hervorragend recherchiert und (wieder) zum Leben erweckt. Ich gebe zu, (nicht nur) als Germanistin bin ich ein riesengroßes Fangirl der Brüder Grimm. Jacob gilt nicht zuletzt als Begründer meiner Wissenschaft. Ihn nun auf so hervorragende Weise als literarische Figur umgesetzt zu sehen, hat mir zutiefst gefallen. Auch Annette, Jenny und Wilhelm wurden von Kinkel ebenso gut getroffen, wie all jene erfundenen und nicht erfundenen Nebenfiguren.

Damit wären wir dann auch schon beim nächsten Punkt: Das Spiel mit der Realität und der Fiktion. Tatsächlich beruhen sehr viele Aspekte des Romans auf (gut recherchierten) wahren Begebenheiten. Der immer wieder thematisierte Bökendorf-Vorfall fand ebenso statt, wie die Brieffreundschaft zwischen Wilhelm und Jenny. Aus Neugier habe ich immer einmal wieder recherchiert und bin z.B. auf Briefe der Annette zu Droste gestoßen, in denen sie den Vorfall beschreibt. In diesem Moment war es schwer, Realität und Fiktion auseinander zu halten, so gut hat Kinkel die realen Personen getroffen und nachempfunden.

Insgesamt ein wirklich wundervoller, gut recherchierter, amüsant und spannend geschriebener historischer Roman, den es zu lesen lohnt.

Susanne Preusker: Wenn das Glück mit dem Schwanz wedelt

Wenn das Glück mit dem Schwanz wedelt
von Susanne Preusker
Patmos Verlag
2012
174 Seiten
Erinnerungen, Tiere

 

Meinung

Susanne Preusker, mittlerweile leider verstorben, war Psychologin und arbeitete als solche im Gefängnis – bis zu jenem verhängnisvolle Tag, an dem sie von einem Häftling als Geisel gefangen und vergewaltigt wurde. In ihren Weg ins Leben kämpft sie sich eisern frei. Auf ihrem Weg begleiten sie ihr Mann, ihr Sohn und ab einem gewissen Punkt auch Kampfhündin Emmi. Aber wie geht man eigentlich damit um, wenn man im Tierheim von einem Kampfhundmädchen erwählt und sich als Laie den Herausforderungen des Hundealltag stellen muss?

Aus absolut urkomische Art erzählt Preusker aus ihrem Alltag mit Emmi und den Hürden, die die beiden oder besser gesagtt die gesamte Familie nehmen musste. Auf unterhaltender Ebene ein urkomisches Buch für Hundefreunde, auf fachlicher Ebene aber ebenfalls absolut ratsam. Und als Mensch, der aktuell ebenfalls einen Welpen – wenn auch nur Kampfmops – großzuziehen hat, eine wertvolle Quelle der Inspiration und ein Grund, nicht zu verzweifeln. Denn bei Emmi hat auch nicht alles auf Anhieb geklappt, aber trotzdem ist aus dem Hund mit dem halbbraunen Kopf so einiges, natürlich Gutes geworden.

 

Anika Lorenz: Im Herzen ein Schneeleopard

Bildergebnis für Im herz ein Schneeleopard

Im Herzen ein Schneeleopard
von Anika Lorenz

Impress 2016
293 Seiten
Coming Of Age, Fantasy
eBook: 3,99 €

 

Inhalt

Emma tritt gefühlt auf der Stelle: All ihre Freundinnen studieren und erleben die Welt, sie jedoch hängt in ihrer Kleinstadt fest und hat einfach nicht genug Geld, sich das Studium zu finanzieren. Obendrein lebt sie allein mit ihrer Großmutter. Emmas Großvater ist verstorben, ihren Vater hat sie nie kennen lernen können und ihre Mutter interessiert sich nicht für die junge, talentierte Künstlerin mit dem Wunsch, Architektin zu werden.

Emma ist am verzweifeln, fühlt sich eingeengt und wird zu allem Überdruss von seltsamen Alpträumen heimgesucht. Dass der reiche und schöne Nathan in die Stadt zieht, ist die gefundene Aufmunterung für die junge Erwachsene. Nathan wird ihr nicht nur ein guter Freund, er verschafft ihr auch ihren ersten Job als Innenarchitektin. Doch als Emma beginnt, Gefühle für ihn zu hegen, distanziert Nate sich. Hat das etwa etwas mit den tierischen Angriffen in der Nachbarschaft zu tun, für die keiner eine Erklärung hat?

Die Ereignisse überschlagen sich, als auch Emmas bester Freund Daniel nur knapp einer Wildtierattacke entkommt. Und urplötzlich verändert sich Emmas Leben schlagartig.

Meinung

Inhaltlich und auf die Handlung bezogen hat mich der erste Band der Serie absolut überzeugt. Im Moment befinde ich mich so ein bisschen im Gestaltwandler-Fieber und da ist diese Reihe genau das Richtige. Sprachlich hingegen konnte Anika Lorenz mich nicht ganz überzeugen. Stellenweise fand ich den Schreibstil nicht wirklich ansprechend, wenig literarisch. Das fand ich sehr schade, da insbesondere die Charaktere in meinem Fall darunter gelitten haben. Irgendwie habe ich es nicht geschafft, Emma lieb zu gewinnen wie man es so häufig mit Protagonisten erlebt. Nate und Liam sind mir da schon etwas sympathischer, auch Lana schneidet gut ab. Emmas Freunde hingegen möchte ich im wahren Leben nicht recht kennen lernen.

Insgesamt hinterlässt mich das erste Buch also mit gemischten Gefühlen. Da mich die Geschichte sehr anspricht und ich mich zugegeben auch schon gespoilert habe und mir auch die Handlung im Folgenden sehr gut gefällt, bleibe ich dran. Ich hoffe jedoch, dass ich mich im Laufe der Serie etwas mehr für Charaktere und Schreibstil werde erwärmen können.

Kass Morgan: Die 100 – Tag 21

 

Die 100 – Tag 21 
Kass Morgan
320 Seiten
Heyne Verlag 2015
Jugendbücher

Kurzmeinung

Mit „Die 100 – Tag 21“ gelingt Kass Morgan die gelungene Fortsetzung der Serie. Die jugendlichen Straftäter, die wie Laborkaninchen auf die Erde entsandt wurden, sehen sich nun ganz neuen, ungeahnten Gefahren ausgesetzt: andere Menschen. Erdgeborene. Octavia, die Schwester Bellamys, ist nach wie vor verschwunden. Dafür haben die Jugendlichen eine aus der Reihen der Erdgeborenen gefangen nehmen können. Clarke ist eine der wenigen, die nicht nach Rache sinnt. Sie versucht, die Erdgeborenen zu verstehen und kennen zu lernen. Dabei entdeckt sie etwas Ungeahntes.

Auch mit „Tag 21“ hat Kass Morgan mich von der ersten Seite an fesseln können. Die Protagonisten, deren Person wir abwechselnd begleiten, sind sympathisch mit all ihren Ecken und Kanten. Man kann durch kurze Rückblenden in die Vergangenheit der verschiedenen Charaktere hinein blicken und lernt somit auch deren Umstände besser kennen. Zudem hat Kass Morgan einige hübsche Plot Twists in die Story einfließen lassen, sodass die Spannung dauerhaft gehalten werden kann.

 

Mark B. Mills: Warten auf Doggo

Warten auf Doggo
von Mark B. Mills
256 Seiten
Bastei Lübbe
Gegenwartsliteratur, Humor

 

Inhalt

Daniels leicht durchgedrehte Freundin haut einfach ab. Sie hinterlässt nicht viel, bloß einen fadenscheinigen Brief mit Anschuldigungen und Doggo. Doggo ist ein ziemlich hässlicher Hund aus dem Tierheim, grummelig und zu Beginn wenig liebenswürdig. Doch je mehr Zeit Daniel mit dem Hund verbringt, umso mehr hängt sein Herz an dem Tier. Doggo und Daniel ergänzen sich perfekt. Und sie helfen einander durch den Alltag und die Hürden des Lebens. Und von denen gibt es in Daniels Leben nun einige, denn nicht nur ist seine Freundin fort, auch beginnt er einen neuen Job und kommt einem Geheimnis auf die Schliche, dass sein Leben verändert. Ohne Doggo hätte er wohl den Halt verloren.

Meinung

Es gab zwei gute Gründe, dieses Buch aus der Bibliothek zu entleihen: a) Der Titel ist eine Anspielung auf Samuel Beckett; b) Es geht um einen Hund. Okay, allein letzteres hätte mich schon überzeugt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Dieses sehr humorvolle Buch wartet mit einigen sehr herzerwärmenden Szenen auf und beschreibt alles in allem die ganz besondere Freundschaft zwischen Mensch und Hund. Doggo und Daniel stehen natürlich im Fokus des Geschehens, man lernt beider Geschichten ein wenig besser kennen. Doch auch das Drumherum wurde mit liebevoll und detailliert ausgearbeiteten Figuren ausstaffiert. Das Buch lässt sich sehr angenehm und flüssig lesen, es wird zu keinem Zeitpunkt langatmig oder gar langatmig. Insgesamt ein tolles Buch, um einfach abzuschalten und zu lachen. Sehr empfehlenswert!

[Rezension] Florian Freistetter: Der Astronomieverführer

Der Astronomieverführer: Wie das Weltall unseren Alltag bestimmt
Florian Freistetter

224 Seiten
Rowohlt Taschenbuch Verlag
2014
Sachbuch;
Naturwissenschaft; Astronomie

Meinung

Während des Wintersemesters 2017/18  versuchte ich, nach den Sternen zu greifen. Oder so ähnlich. Denn wir besuchten als Gast- und Zweithörer  die Astronomie-Einführungs-Vorlesung in Jena, aus Interesse. Denn da halten wir’s wie Faust: Wir wollen wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Passend dazu besuchten wir am vergangenen Wochenende die Sternwarten Jenas im Rahmen des Astronomietags.  „Der Astronomieverführer“ von Florian Freistetter war da nun die passende Lektüre. Der 1977 geborene Wissenschaftler betreibt einen Astronomie-Blog , dieser gehört zu den  meistgelesenen Wissenschaftsblogs in Deutscher Sprache. Freistetter lebt und arbeitet als Wissenschaftsautor in Jena.
In diesem schönen, handlichen Buch beschreibt er, wie wir dem All, dem Universum, in unserem Alltag begegnen. Ob in der Suppenschüssel, beim Wettern, bei den Jahreszeiten, beim Wind, der Staub zu unseren Füßen, ja selbst das Rauschen auf dem Fernsehen, wenn der Empfang mal wieder aussetzt. Jeden einzelnen Tag kommen wir mit dem Weltall in direkte und indirekte Berührung und Freistetter erklärt dies auf eine sehr amüsante, gut verständliche Art und Weise.

 

 

Christie Golden: Heimkehr

Heimkehr
Stark Trek – Voyager 1
von Christie Golden
250 Seiten
Cross Cult
Oktober 2013
Science Fiction

Inhalt

Die Besatzung der Voyager kehrt nach sieben Jahren Irrfahrt durch den Delta-Quadranten endlich auf die Erde zurück. Doch das Wiedersehen wird von den verheerenden Folgen des Dominion-Krieges überschattet. Die Crew rund um Captain Janeway muss sich erst in dieser neuen Welt zurechtfinden. Die erwartete herzliche Begrüßung fällt aus, stattdessen stehen bald alle Mitglieder der Besatzung unter Verdacht. Eine merkwürdige Krankheit grassiert auf der Erde, mit verheerenden Folgen. Und die Voyager steht im Zentrum der Ermittlungen. Vor allem der Doktor, Seven of Nine und Icheb.

Meinung

Bereits als Kind kam ich erstmals mit dem riesigen Universum rund um Star Trek in Kontakt, mein Papa ist ein wahrer „Trekkie“ und ich habe es ihm gleich getan. Besonders habe ich mich in die Crew auf der Voyager verliebt, mit Captain Janeway, Chakotay, Seven of Nine, dem Doktor und all den geliebten Charakteren. Ich habe nun endlich die Roman-Reihe parat, wobei es ein wenig irreführend war, welches Buch nun also zuerst gelesen werden sollte. (Im Endeffekt habe ich heraus gefunden, dass es zwei Serien gibt. Einmal die ursprüngliche und dann die Wiederaufnahme. Dieses Buch ist der erste teil von letzterem.) Heimkehr setzt mit der Rückkehr der Voyager ein und setzt somit die Kenntnis der vorherigen Serie, bzw. der TV-Serie voraus.
Das Buch ist sehr gut geschrieben und hat mich vom ersten Moment an gefesselt. Ich konnte es kaum länger als ein paar Stunden aus der Hand legen und war dementsprechend schnell durch. Dieser erste Band endet mit einem phänomenalen  Cliffhanger und so werde ich mich mit Sicherheit nun auch schnell an den nächsten Band wagen.

Noch ein wenig zur Sprache. Der Roman selbst ist sehr spannend und schön geschrieben. Die Charaktere hat Christie Golden perfekt umgesetzt, man erkennt seine geliebten Personen sofort wieder und glaubt, sie waren niemals fort. Die Geschichte ist eine wunderbare Anknüpfung an die Serie und bietet sehr viele tolle Plot-Twists und Spannung. Für Star Trek Fans und Sci-Fi-Leser definitiv zu empfehlen.

[Rezension] Juli Zeh: Unterleuten

Unterleuten
von Juli Zeh
656 Seiten
btb Verlag
Gegenwartsliteratur, Gesellschaft

Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf in Brandenburg wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten. Doch hinter den Fassaden der kleinen Häuser brechen alte Streitigkeiten wieder auf. Und obwohl niemand etwas Böses will, geschieht Schreckliches.

Ein Jahr. Ein ganzes Jahr lag dieses Buch auf meinem SUB. Ich habe es zu Weihnachten 2016 von meinen Eltern geschenkt bekommen, lang ersehnt und so darauf gefreut. Eines der wenigen Bücher, die ich als Besitz brauche. In meinem Schrank. Immer greifbar. ABER ich habe es aufgeschoben. Warum eigentlich? Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil ich nicht wollte, dass es vorbei ist. Was eigentlich Quatsch ist, aber wer kennt schon die unergründlichen Tiefen eines wirren Kopfes. Nun also, ein Jahr später zu Weihnachten 2017, habe ich es endlich begonnen und nun – zwei Monate später – ausgelesen. Ich habe es langsam gelesen, genossen, dennoch verschlungen. Mit „Unterleuten“ gelingt Juli Zeh ein absurd realistisches Bild eines Dorfes im Osten Deutschlands. Immer wieder ertappte ich mich dabei zu denken: „So ist es wirklich. So ist’s bei uns im Dorf auch.“ Natürlich konnte ich mich besonders gut mit Unterleuten identifizieren: ein kleines Dörfchen in der ehemaligen DDR mit Geheimnissen, Familienbanden, Geklüngel, usw. All das trifft auf Unterleuten zu, jedoch auch auf meine Heimat. Nun aber erst einmal zum Inhalt:

Unterleuten wird von einigen Originalen und einigen Zugezogenen bewohnt. Die hippen Aussteiger aus Berlin, darunter ein Nerd und ein ehemaliger Dozent, der sich nun als Vogelschützer aufspielt. Und die Originale, der unter Gedächtnisverlust leidende Schaller, der alte Hund Gombrowski, der stets unzufriedene Kron. Und dann sind da noch Hilde, Krönchen, Elena, Linda Franzen – die verrückte Pferdefrau, und so viele mehr.  Sie alle wollen zusammen leben, jeder auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Dieses Gefüge wird erschüttert, als in den Fluren des Orts ein Windpark entstehen soll. Wer verkauft an wen? Wer hat welche Intrige gesponnen? Und was ist da eigentlich vor zwanzig Jahren im Wald geschehen?

Unterleuten ist ein Panorama. Der Leser lernt nicht nur das Dorf als Gefüge kennen, Juli Zeh gewährt auch einen Einblick in die Wohnzimmer der Familien. So entsteht ein vielteiliges Puzzle, das zusammen das Bild „Unterleuten“ ergibt. Es gibt Geheimnisse, Intrigen, Streitigkeiten, Verbündete. Ein verästeltes Geflecht, mal so, mal so. Ich habe lange überlegt, ob ich die Darstellung „überspitzt“ nennen würde. Und bin dann zu dem Ergebnis gekommen, dass ich mich nicht festlegen werde. Okay. Der Schluss des Buches ist wie ein Paukenschlag und schon sehr drastisch, überspitzt? Vielleicht. Könnte so aber gut und gern auch geschehen sein. Aber als Bewohner eines nahezu identisch aufgebauten Dorfes weiß ich, dass vieles genauso auch als Tatsachenbericht stehen könnte.

Und mit genau dieser Realität spielt Juli Zeh auch. Googlet mal „Unterleuten“, findet man die Homepage des Dorfes und des Vogelschutzes. Mit viel Liebe zum Detail wird hier mit der Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit auf multimedialer Ebene gespielt. All das und die unglaubliche Sprachgewalt der Autorin, sowie die plastischen Charaktere machen Unterleuten zu einem herausragenden Werk der deutschen Gegenwartsliteratur.