Barbara Honigmann: Ein Kapitel aus meinem Leben

Ein Kapitel aus meinem Leben
von Barbara Honigmann
142 Seiten
dtv Verlagsgesellschaft
Biografie, Erinnerungen

 

„Ein Kapitel aus meinem Leben“, so nannte Litzy mit betontem Understatement den heikelsten Teil ihres ungewöhnlichen Lebens: ihre Ehe mit dem weltberühmten „Meisterspion“ und Doppelagenten Kim Philby. Barbara Honigmann erzählt nüchtern, poetisch und komisch das unglaubliche Leben ihrer eigenen Mutter, einer Agentin und Emigrantin, Jüdin und Kommunistin, im Europa der Kriege und Diktaturen. Die bewegende Geschichte einer außergewöhnlichen Frau.

Kurzmeinung

Ich kannte Barbara Honigmann vor dieser kleinen Biografie noch nicht. Sie (und dieses Buch) wurde mir in einem Seminar der Universität vorgestellt, Thematik: Juden der 1., 2. und 3. Generation nach dem Holocaust. Allerdings hatte ich es nicht rechtzeitig geschafft, das Büchlein zum Seminar zu lesen. Damals gingen andere Dinge vor. Und so kam es, dass „Ein Kapitel aus meinem Leben“ eine ganze Zeit lang auf meinem Stapel ungelesener Bücher herumlungerte. Da es sich um ein kleines Büchlein handelt und ich noch ein Buch für Januar schaffen wollte, griff ich nun also zu diesem viel zu lang unbeachtet gebliebenen Büchlein.
Barbara Honigmann versucht, eine Skizze ihrer Mutter Litzy anzufertigen. Das ist allerdings schwierig, denn selbst ihren vertrautesten Mitmenschen war Alice zeitlebens wie ein unscharfes Foto, auf dem man die Details nicht recht entschlüsseln kann. Litzy bezeichnet die im Buch behandelte Phase ihres Lebens als „Ein Kapitel“, ihre Ehe mit dem Doppelagenten und Spion Kim Philby. Sie selbst war ebenfalls Agentin des der Russen. Aber auch Jüdin, Mutter, Kommunistin, Geflohene, Heimatlose.
Mit einem wundervollen Stil erzählt Barbara Honigmann von ihrer Mutter, den Männern in deren Leben, Anekdoten und vieles mehr. Dem Leser wird dabei nicht nur die faszinierende Litzy vorgestellt, sondern diese steht auch stellvertretend für jene Menschen, die zu Zeiten der Diktatur eben nicht Kratzfuß buckelnd die Geschichte abwarteten. Litzy hatte Überzeugungen und stand für diese ein.
Ein sehr gut zu lesendes und für Interessierte auch zu empfehlendes Buch.

Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder

Die Insel der besonderen Kinder
von Ransom Riggs
416 Seiten
Jugendbuch, Fantasy

Manche Großeltern lesen ihren Enkeln Märchen vor. Was Jacob von seinem Opa hörte, war etwas ganz, ganz anderes: Abraham erzählte ihm von einer Insel, auf der abenteuerlustige Kinder mit besonderen Fähigkeiten leben, und von Monstern, die auf der Suche nach ihnen sind … Inzwischen ist Jacob 15 Jahre alt und kann sich kaum noch an die wunderbaren Schauergeschichten erinnern – bis zu dem Tag, als sein Großvater unter mysteriösen Umständen stirbt und Jacob Hinweise darauf findet, dass es die Insel aus seinen Geschichten wirklich gibt. Der Teenager macht sich auf die Suche nach ihr und findet sich in einer Welt wieder, in der die Zeit stillsteht und er die ungewöhnlichsten Freunde findet, die man sich vorstellen kann. Doch auch die Monster sind höchst real – und sie sind ihm gefolgt …

Inhalt

Jacob hält seinen Großvater für ein bisschen wirr im Kopf, seine Eltern halten diesen für schier verrückt. Abraham, Jacobs Großvater, könnte man als ein wenig paranoid bezeichnen. Er glaubt sich von Monstern verfolgt und allein auf der Insel beim Vogel sei es sicher. Diese Insel beherberge ein Waisenhaus mit Kindern, denen übernatürliche Fähigkeiten zu eigen sind. Alles Märchen, glaubt Jacob. Bis sein Großvater auf mysteriöse Weise stirbt und der Teenager sich auf eine Reise begibt, auf den Spuren seines vor den Nazis geflohenen Großvaters wandelnd. Er findet besagtes Waisenhaus, findet neue Freunde und die Lücken füllen sich. Doch auch die Monster sind durchaus real.

Meinung

Man sah dieses Buch in den sozialen Medien ja dauernd. Ein weiterer Hype, dachte ich mir. Na schön. Ich gebe Hypes gerne eine Chance, irgendwas muss ja dran sein. Und neugierig war ich auch, denn das Cover spricht mich sehr an und auch der Titel klingt gut. Zudem bin ich großer Tim Burton Fan und der Film stand daher auf meiner Liste, zuvor aber das Buch. Ihr wisst schon.   Während ich bei vielen gefeierten Büchern dachte: „Oh mein Gott, wieso?“, verstand ich bei „Die Insel der besonderen Kinder“ rasch, warum dieses Buch sich so großer Beliebtheit erfreut. Ransom Riggs schafft einen so grandiosen Sog, dass man als Leser förmlich mit über die Insel wandert, neue Freunde findet, aber auch vor Angst die Knie schlottern wenn es um besagte Monster geht. Ein wirklich schönes, spannendes und toll geschriebenes Buch mit einzigartigen Charakteren und vielen Rätseln und Geheimnissen. Meinerseits daher eine absolute Empfehlung wert!

Kass Morgan: Die 100

Die 100
von Kass Morgan

Heyne Verlag
27. Juli 2015
320 Seiten
Roman; Jugendroman
12,99 €

Inhalt

Ein verheerender Atomkrieg hat die Welt zerstört und das Leben auf der Erde nahezu unmöglich werden lassen. Nur wenige Menschen können sich auf Raumschiffe flüchten und so das Überleben der Menschheit sichern. Dreihundert Jahre leben sie im All, doch die Wiederbesiedlung der Erde gilt als höchstes Ziel. Aus diesem Grund werden 100 verurteilte Jugendliche auf die Erde geschickt – als Versuchskaninchen, um herauszufinden, ob die Erde wieder bewohnbar ist. Die Jugendlichen erwartet eine faszinierende Welt; eine sich nicht unterkriegen lassende Natur. Doch auch viele Gefahren  – das tödliche Abenteuer beginnt.

Meinung

Mich verschlug es sehr zufällig zu „Die 100“ von Kass Morgan. Ich lese derzeit „Unterleuten“ von Juli Zeh und mit seinem Hardcover und den vielen Hundert Seiten ist das ein bisschen viel, um es immer mit mir herum zu schleppen. Aber ohne Buch aus dem Haus? Für mich ein absolutes NoGo. Da würde ich verrückt. Deswegen stöberte ich kurzentschlossen durch die Onleihe, obwohl mir eBooks nach wie vor eher unangenehm sind. Aber für diesen Zweck sind sie nun einmal ideal. Beim Stöbern traf ich dann auf „Die 100“ und erinnerte mich auch dunkel daran, von der Serie gehört zu haben. Auf „Leihen“ geklickt, schon ging es los.
Ich fand sofort gut in das Buch ein. Die Kapitel sind aus der Perspektive der verschiedenen Hauptpersonen des Buches geschrieben: Glass, Wells, Bellamy, Luke und Clarke. Jeder von ihnen hat sein eigenes Päckchen zu tragen und beschreibt das eigene nicht wirklich rosige Schicksal unter Zuhilfenahme von Rückblenden, die die Geschichte unterfüttern.
Es wird schnell klar, dass jede der Personen Ecken und Kanten hat, keine 0-8-15-Helden also. Das macht die Charaktere auch rasch sympathisch. Kass Morgan gelingt es, ihre Protagonisten (und auch andere Charaktere) sehr plastisch darzustellen, so werden sie für den Rezipienten gut greifbar.
Die Handlung verfolgt einen klaren roten Faden, trotz der Perspektivsprünge und Rückblenden. Die Kapitel sind mit der jeweiligen Person, aus dessen Blickwinkel wir die Handlung betrachten, überschrieben. Glass und Luke befinden sich nach wie vor im All, die anderen auf der Erde. Durch die Schriftart gut abgesetzt erkennt man die Rückblenden eindeutig und wird so nicht unvermittelt im Geschehen herum geschleudert. Durch diese Perspektiv- und Zeitstrangwechsel entsteht ein detalliertes, dichtes Erzählgefüge und dem Leser erschließt sich ein guter Überblick über dieses dystopische Szenario.
Der Erzählstil Kass Morgans ist sehr angenehm und lässt sich weder zähl, noch langatmig lesen. Ich, der Langsamleser, hatte das Buch innerhalb weniger Tage durch. Vielleicht zwei, oder drei. Der dynamische Erzählmodus und die spannende Geschichte ziehen den Leser schnell in ihren Sog.

Insgesamt ein absolut empfehlenswertes Buch und ein grandioser Auftakt. Ich habe bereits Buch II auf dem Reader liegen und werde es auch unvermittelt nach der Rezension beginnen. Dieser Teil erhält auf jeden Fall 5 Sterne von mir.

Jay Asher: Tote Mädchen lügen nicht


Tote Mädchen lügen nicht
von Jay Asher

Verlag: cbt
Seiten: 288
Genre: Jugendbuch
Preis: 8,99€ (TB)

Handlung

Clay ist verwundert, als zuhause ein Päckchen mit altmodischen Kassetten auf ihn wartet. Als er die erste der Kassetten jedoch ins Abspielgerät legt, ist er schockiert: An sein Ohr dringt die Stimme seiner Mitschülerin Hannah Baker – die Selbstmord beging. Auf den Tonbändern hat sie 13 Gründe – oder besser gesagt 13 Personen – verewigt, denen sie die Mitschuld an ihrem Suizid zuschreibt. Clay muss nun verarbeiten und bewältigen, was auf ihn einstürmt. Muss anhören, wie sich all die Gerüchte und Lügen zu einem Konstrukt verdichtet haben, das ein Mädchen in den Freitod getrieben hat.

Meinung

Es sind auf den ersten Blick Kleinigkeiten. Die Behauptung, mit jemandem geschlafen zu haben. Ein Klaps auf den Po. Eine kindische Liste. Falsche Freunde. Was aber, wenn all diese Rückschläge und Enttäuschungen sich verdichten? Was, wenn die Gerüchteküche so brodelt, dass keiner mehr die Wahrheit kennt und man den nicht mehr abwaschbaren Stempel „Schlampe“ auf die Stirn gedrückt bekommt? Wenn man sich einsam fühlt und allmählich jeder Funke Hoffnung erlischt? So ging es Hannah Baker, einem schönen, ruhigen Highschool-Mädchen. Als sie mit Justin ihren ersten Kuss erlebt, glaubt sie, einen unvergesslichen Moment geschaffen zu haben. Dass dieser kurze Zeit später die Wahrheit verdreht und Gerüchte in die Welt setzt, die sich verselbstständigen und ihren Ruf vollständig zu nichte machen, hätte sie nicht erahnen können. Es folgt eines aufs andere und das Ende ist uns von Anfang an bekannt: Hannah wählt den Freitod. Und auf jenen Kassetten rechnet sie ab: sie zeigt auf, was die Wahrheit ist. Und wie andere durch ihr Mobbing, selbst wenn es unbewusst stattfindet, ein Leben zerstören können.

Im Zentrum der Handlung stehen Hannah als Erzählerin und Clay als Zuhörer. Gemeinsam mit ihm besucht der Leser jene  Orte, die für Hannahs Werdegang relevant gewesen sind. Der durchschnittliche, stets freundliche Clay sieht sich mit einem Abgrund konfrontiert, den er nicht hätte erahnen können. Und am Ende bleibt eines: Die Warnzeichen war da, doch niemand konnte Hannah helfen.

Der Erzählstil Jay Ashers hat mich nach den ersten Seiten sehr angesprochen. Nur die ersten Absätze waren ein wenig ungemütlich, musste ich mich doch an die wechselnden Perspektiven und Zeitstränge gewöhnen: Hannahs Erinnerung und Clays Gegenwart. Seine Figuren beschreibt Asher detailreich und schnell erfasst den Leser eine starke Zuneigung zu Hannah und die zugehörige Traurigkeit, angesichts ihres Todes. Sie war ein liebenswertes, ganz normales Mädchen. Witzig und charmant. Auch Clay, als der 0-8-15-Junge von Nebenan, wird schnell zum Publikumsliebling. Während Asher es schafft, die Wut des Lesers gegen all jene zu schüren, die Hannah in den Tod trieben.

Ich bin lange, sehr lange um Tote Mädchen lügen nicht herumgeschlichen. Wirklich mitbekommen habe ich das ganze erst nach dem Hype um die Serie und den damit verbundenen Werther-Effekt. Ich habe mich gefragt, welche Eindringlichkeit diese Geschichte haben muss, dass ein solcher Effekt eintritt. Doch ich habe mich immer wieder um die Serie gedrückt. Ehrlich gesagt hatte ich Angst, dass auch ich getriggert werde. Nein, keinesfalls bin ich selbstmordgefährdet. Jedoch nimmt mich so etwas schon sehr stark mit. Da ich meist bei bewegten Bildern mehr mitfiebere, entschied ich mich also vorerst für das Buch. Und ich bereue es nicht. Ich kam in den Genuss eines schockierenden, aufrüttelnden und mahnenden Werkes, dass hoffentlich vielen die Augen öffnet, dass schon Kleinigkeiten einen Menschen in schlimmste Verzweiflung bringen kann.

Martin Suter: Elefant

Elefant
von Martin Suter
Diogenes
18. Januar 2017
352 Seiten
Gegenwartsliteratur
Gebundene Ausgabe: 24,00 €
ISBN 3257069707

Klappentext

Ein Wesen, das die Menschen verzaubert: ein kleiner rosaroter Elefant, der in der Dunkelheit leuchtet. Plötzlich ist er da, in der Höhle des Obdachlosen Schoch, der dort seinen Schlafplatz hat. Wie das seltsame Geschöpf entstanden ist und woher es kommt, weiß nur einer: der Genforscher Roux. Er möchte daraus eine weltweite Sensation machen. Allerdings wurde es ihm entwendet. Denn der burmesische Elefantenflüsterer Kaung, der die Geburt des Tiers begleitet hat, ist der Meinung, etwas so Besonderes müsse versteckt und beschützt werden.

Inhalt

In Schochs Höhle steht ein kleiner, rosafarbener, leuchtender Spielzeugelefant. Das Problem? Es handelt sich um kein Spielzeug, sondern ein echtes, lebendiges Elefäntchen. Und dem kleinen Tier geht es gar nicht gut. In seiner Verzweiflung sucht der Obdachlose die Gassentierärztin Valerie auf und gemeinsam versuchen sie, den kleinen Elefanten zu retten. Nicht etwa vor der kleinen Magenverstimmung, die Sabu – so nennt Schoch sie schon bald – quält, sondern vor den Genforschern, die hinter Sabu her sind.
Der Blick in die Vergangenheit klärt auf: Sabu ist das Ergebnis eines kommerziellen Genexperiments und der Verantwortliche Wissenschaftler Roux setzt alles daran, größtmöglichen kommerziellen und wissenschaftlichen Erfolg aus der kleinen Elefantendame zu schlagen. Doch der etwas träge Tierarzt Reber und Elefantenpfleger Kaung wollen Sabu vor diesem Schicksal retten und eine spannende Verfolgungsjagd beginnt.

Meinung

Auf den ersten Blick wirkt „Elefant“ untypisch für Martin Suter. Ich kenne ihn von vielen Romanen und Erzählungen als witzigen Sprachkünstler, der die Reichen und Schönen ein wenig auf den Arm nimmt. Nun also rosa leuchtende Mini-Elefanten? Das klang zu Beginn für mich ein bisschen mehr als nur fantastisch. Entpuppt sich nun allerdings als mein neues Lieblingsbuch des Autoren.
Der Autor inszeniert eine spannende Verfolgungsjagd, die nichts anderes zum Ziel hat, als Sabu Barisha – die kleine Elefäntin – vor ihrem Schicksal als Versuchstier zu retten. Während Schoch, Valerie und Reber aus ethischen Gründen handeln, glaubt Elefantenpfleger Kaung gar an die Heiligkeit des rosa Tieres. Allen ist jedoch eines gemeinsam: Sie lieben das kleine Elefäntchen und begeben sich in große Gefahr für dessen Rettung.
Die Handlung beinhaltet einige Rückblenden, die den Ursprung des Experiments erklären. Eine gute Orientierung bieten dabei die Kapitelüberschriften, die das Datum beinhalten. Die beiden Zeitstränge bewegen sich aufeinander zu, bis sie sich vereinen und der Roman einem Strang folgt.
Schoch, Valerie und co. sind sehr sympathische und vielschichtige Charaktere. Schoch ist Obdachloser. Im Laufe des Romans lernt der Leser sein Schicksal kennen und wird in die Ursache eingeweiht, warum der einst sehr wohlständige Mann nun auf der Straße lebt. Valerie ist Tierärztin und engagiert sich mit dem Erbe ihrer Eltern für das Wohlergehen der Tiere der Obdachlosen. Eine von ihr ins Leben gerufene Stiftung betreibt eine Tierklinik in der Gasse, wo Randständige ihre Tiere vorstellen können. Im Umgang mit Schoch beginnt sie zu hinterfragen, wie sie selbst (aber auch die Gesellschaft) mit Randständigen umgeht. Zu guter Letzt als einer der Protagonisten ist Kaung zu nennen. Es handelt sich um einen Elefantenpfleger aus Asien, der im Zirkus arbeitet, aber schon lange für seine Rückkehr in die Heimat spart. Er wünscht sich, dort ein Rescue Center für Elefanten eröffnen zu können von dem Geld, dass er während seiner Tätigkeit im Zirkus Pellegrini zurücklegt.  Der Wissenschaftler Roux hingegen ist ein exzellenter Antagonist. Der Leser wird dazu angeregt, sich eine eigene Meinung von ihm bilden. Diese fällt (zumindest bei mir) sehr negativ aus.  Roux ist erfolgsversessen und scheut nicht, unethisch zu handeln.
Am Anfang hielt ich die Thematik für recht fantastisch. Spätestens jedoch nach der ersten Befragung des Internets war mir klar, dass dieser rosarota leuchtende Minielefant nicht ganz so fantastisch ist, wie man meinen mag. Durchaus gibt es nämlich die sogenannten „Glowing Animals“, Tiere deren Haut (?) durch Genveränderung Licht in verschiedenen Farben reflektieren kann. Auch wenn Sabu Barisha ein überspitztes Genexperiment darstellt, ist das Tier weit weniger von der Realität entfernt als ich zu Beginn annahm.
Insgesamt behandelt Suter in diesem Roman einige sehr aktuelle, kritische Themen: Obdachlosigkeit/Randständige und Genmanipulationen und die damit verbundenen ethischen Fragen. Ein Buch, dass so durchaus das große Potential hat, zum Denken anzuregen.

Fazit

Der kleine rosa Elefant und seine Retter haben mein Herz im Sturm erobert. „Elefant“ ist ein kritischer, rührender, herzlicher, spannender und witziger Roman, der den Leser von der ersten Seite an begeistert. Von mir daher eine klare Leseempfehlung.

 

J.R.Ward: Blinder König (Black Dagger #14)

Blinder König (Black Dagger #14)
von J.R.Ward
Heyne Verlag (9. August 2010)
448 Seiten
Fantasy, Vampirroman
8,95 € 

Blinder König (Black Dagger #14)

Inhalt

In Band 13 „Racheengel“  erfährt der Leser erstmals etwas mehr über Rehvenge, den Drogenboss unter den Vampiren und wie er die schöne Ehlena kennen lernt, eine aufrichtige Krankenschwester die nichts mit den dreckigen Geschäften Rehvs zutun hat. „Blinder König“ ist nun die Fortsetzung der Story der beiden. Rehv wird in der Sympathenkolonie gefangen gehalten und nur Ehlena und Xhex können ihn retten. Natürlich mit Hilfe der Bruderschaft. Dabei sehen sie sich nicht nur mit den Sympathen konfrontiert, sondern auch mit dem wieder auferstandenen Lash der das personifizierte Grauen darstellt. Als Sohn von Omega ist er der bislang mächtigste Feind, dem sich die Bruderschaft stellen musste.

 

Meinung

Wie immer hat mich dieser Black Dagger Band sofort in seinen Bann gezogen. Erst heute morgen habe ich in einer Buchgruppe gelesen, dass es ein bisschen unverständlich ist, warum diese Bücher so gern gelesen werden. Und ja, mit Sicherheit ist Black Dagger polarisierend. Aber für jene, die es mögen (Hier hebe ich energisch die Hand!), ist diese Romanreihe Gold wert. Frau Ward schafft es immer wieder, den Leser mit einfachsten Mitteln zu ködern. Die Story ist spannend, Erotik vorhanden jedoch nicht plakativ oder aufdringlich (sagt eine prüde graue Maus wie ich) und die Charaktere sind zum Liebhaben. Und immer wieder taucht man ein in das Geflecht der einzelnen Schicksale. Denn es geht nicht immer nur um die Protagonisten des Bandes an sich, sondern vielmehr lernt man auch Randfiguren immer besser kennen, wie zum Beispiel John.

Für mich persönlich hat Black Dagger #14, Blinder König, wieder einmal 5 Sternchen verdient und ich sitze bereits am nächsten Band und kann ihn kaum aus der Hand legen.

 

Was haltet ihr von Black Dagger? Gehört ihr auch zu den Bruderschafts-Fangirls? Wollt ihr die Bücher noch lesen? Oder lasst ihr lieber die Finger davon?

Susanne Schädlich: Briefe ohne Unterschrift

 

Briefe ohne Unterschrift
von Susanne Schädlich
Albrecht Knaus Verlag
20.März 2017
288 Seiten
Gebundene Ausgabe
19.99 €

Geschichte, Deutsche Geschichte, DDR

 

Geboren wurde ich 1991 in einem kleinen Thüringer Städtchen, somit bin ich von Geburt an Bürgerin der vereinten Bundesrepublik Deutschland und eines der sogenannten Wendekinder. Die DDR ist für mich ein Schreckgespenst, dem ich knapp „entronnen“ bin. Während ich nie einen Fuß in die Deutsche Demokratische Republik setzte, waren es meine Eltern und meine gesamte Familie, die jedoch bis dahin fast kein Leben außerhalb der DDR kannten. Sie sind beinahe ebenso lang Bürger des geeinten Deutschland, wie ich selbst. Es ist also nicht erstaunlich, dass die DDR stets irgendwie präsent ist oder war. Zu Beginn als soeben überwundene Diktator. Später als Schatten, der Ungleichheit (nach wie vor) begründet. (Wieso verdient ein Mitarbeiter einer Firma an einem Standort in der ehemaligen DDR deutlich weniger als ein Mitarbeiter der selben Firma mit denselben Aufgaben und Pflichten an einem Standort in den alten Bundesländern?!) . Und dann auch als verklärte Ostalgie, Lädchen die mit DDR-Produkten werben. Prösterchen mit Rotkäppchen. Die DDR ist also nach wie vor präsent.

Vor einigen Jahren formierte sich in Thüringen eine Rot-Rot-Grüne Regierung. Gleich zu Beginn gab es ein Gespräch darüber, ob die DDR ein „Unrechtsstaat“ war. Und tja, was soll ich sagen? Hätte ich damals dieses Buch bereits gekannt, ich hätte es jenen in die Hand gedrückt, die es verneinten. Denn „Briefe ohne Unterschrift“ zeigt nur all zu deutlich, wie die Bürger der DDR unterdrückt wurden.
Was verbirgt sich dahinter? „Briefe ohne Unterschrift“ war eine Radiosendung des BBC für den deutschen Hörer. Verlesen wurden Briefe aus der Zone, welche aus Sicherheitsgründen ohne Unterschrift abgeschickt werden mussten. Der Schirmherr der Sendung war Austin Harrison. In ihrem Sachbuch geht Susanne Schädlich den „Briefen ohne Unterschrift“ auf den Grund. Sie redet mit noch lebenden Zeitzeugen, recherchiert und liest vor allem jene Briefe, die an das BBC gerichtet waren.

Manchmal überstürzen sich die Gedanken der Autorin, zumindest hatte ich an wenigen Stellen das Gefühl. Dennoch zeichnet sie ein klares Bild darüber, was diese Sendung, deren Name heutzutage als vergessen gelten kann, vollbracht hat und geleistet hat. BoU bot den unterdrückten Bürgern der DDR die Möglichkeit, zu Wort zu kommen. Auch der Austausch untereinander war, wenn auch etwas zeitverzögert, möglich. Austin Harrison verlas die Briefe in seiner Sendung und kommentierte diese. Hier wählte er nicht nur jene, die der DDR kritisch oder gar feindlich gesinnt waren. Er verlas auch die Kontra-Briefe. Briefe von DDR-Bürgern, die das Gute an ihrem Staat hervorheben wollen. Teilweise sind diese Briefe so persönlich, dass es den Leser deutlich anrührt.  Denn Schädlich gewährt in ihrem Buch den Briefen gebührend Platz, sodass man selbst zum Leser der Briefe wird, die auch durch ihre Hände gingen, im Radio verlesen wurden oder von der Stasi abgefangen wurden.

Denn auch dies ist ein gewichtiger Teil der BuO. Zwar konnten die Schreiber ihre Briefe relativ anonym versenden, zunehmend wurden die Briefe jedoch abgefangen und das Ministerium für Staatssicherheit scheute keine Mühen und Kosten, die Schreiber ausfindig zu machen. Ihnen drohten empfindliche Freiheitsstrafen. So erzählt Schädlich das Schicksal eines Schülers, welcher wegen seiner Briefe in Haft geriet.

Ich könnte mich nun auch weiter in Details verlieren. Oder ich könnte jedem Interessierten dieses Buch ans Herz legen. Und genau das tue ich. „Briefe ohne Unterschrift“ hat mir, die durch Zeitzeugen schon sehr viel erfahren konnte, ein weiteres Kapitel der DDR-Geschichte aufgezeigt und somit ein weiteres Stück zur Aufklärung einer bisher wenig besprochenen Geschichte beigetragen. Es eignet sich sowohl als Lektüre für Leser, die sich bereits mit der Geschichte der DDR vertraut gemacht haben und weitere Informationen möchte. Es eignet sich jedoch auch – und jenen möchte ich es ganz besonders ans Herz legen -, für Leser, die bisher kaum etwas über die DDR wissen. Nicht nur als in Thüringen geborene Person, auch als Mensch finde ich es wichtig, dass die Deutschen wissen, welches Unrecht bis ’89 im Osten des Landes herrschte und wie die Menschen nicht einmal wagen durften, frei das Wort zu ergreifen weil schon allein das Haft und Strafe hätte bedeuten können.

Rundum also ein sehr empfehlenswertes Buch, welches Susanne Schädlich ihren Lesern auf sehr spannende und keinesfalls wissenschaftlich-trockene Weise  präsentiert.

 

Nele Hoffmann: Mit Papa war’s nur Blümchensex

Mit Papa war’s nur Blümchensex
Nele Hoffmann, Manuela Ausserhofer

U-Line
144 Seiten
Biografie, Missbrauch & Sexuelle Gewalt

 

Es gibt diese Bücher, die bestürzt machen. Die man gern aus der Hand legen würde, da man sie kaum oder nur schlecht erträgt. Ich bin eigentlich sehr hart im Nehmen, bei Nele Hoffmanns Biografie „Mit Papa war’s nur Blümchensex“ sträubte sich mein Kopf aber hin und wieder doch, weiter zu lesen. Wächst man in einer liebevollen Umgebung gut behütet auf, kann man sich nämlich nur schwer vorstellen, was Nele zustößt. In „Mit Papa war’s nur Blümchensex“ muss der Leser lernen, dass Sex mit einem Elternteil noch gar nicht zum Schlimmsten gehört, was einem jungen Mädchen zustoßen kann. Nele wächst so heran, dass der Sex mit Papa normal ist. Einvernehmlich und liebevoll. Bis sie erkennt, dass es falsch ist, vergehen viele Jahre. Genau genommen, bis Nele zu alt für ihren Vater wird. So unnormal und illegal diese Beziehung auch war, Nele kommt nun vom Regen in die Traufe. Mit ihrem späteren Freund muss Nele Demütigungen und Schmerzen ertragen, an die ich persönlich kaum denken möchte: Nadeln in den Brustwarzen, Fäkalien, Stromstöße, und vieles mehr.

Während ich dieses Buch las, stieß ich in einer Facebook Gruppe auf einen Post. Deren Erstellerin las ebenfalls „Mit Papa war’s nur Blümchensex“ und eine Kommentatorin fragte – meiner Meinung nach auch völlig zurecht: Warum liest man sowas? Tja. Amüsement und Gefallen daran können es nicht sein. Und in den seltensten Fällen (hoffe ich) Perversion. Bücher wie diese zeigen auf, was passiert. Was um uns herum passiert, meist ohne, dass wir es bemerken. Bücher wie diese sensibilisieren für Themen, die der Otto-Normal-Bürger wahrscheinlich verdrängt, nicht wahr haben will, nicht auf dem Schirm hat. Es zeigt ein bisschen, wie man eventuell mit jenen umgehen kann, die es erlebt haben. Und ein bisschen, hoffe ich, lehrt es auch, mit offeneren Augen durch die Welt zu gehen, eventuell Missstände erkennen zu können. Nein. Ein schönes Thema ist das nun wirklich nicht. Keines, woran man Gefallen finden kann. Aber es ist ein Buch, welches Augen öffnen kann und für wichtige Themen sensibilisiert. Nele Hoffmanns Biografie rüttelt wach und führt uns vor Augen, was hinter verschlossenen Türen direkt neben uns passieren könnte. In jeder noch so normal erscheinenden Familie. Allein deshalb ist dieses Buch sehr lesens- und empfehlenswert, um den eigenen Horizont zu erweitern.

Cassandra Clare: City Of Bones

City Of Bones
Chroniken der Unterwelt, Bd 1

von Cassandra Clare
Arena
504 Seiten
Belletristrik, Jugendbuch, Fantasy

 

Clary Fray ist ein ganz normales Mädchen. Sie liebt Kunst, hat einen besten Freund und ficht die üblichen Streitigkeiten zwischen Teenager und alleinerziehender Mutter aus. Erst als sie gemeinsam mit Simon einen Club besucht und dort Zeugin eines Verbrechens wird, welches kein anderer außer ihr sehen kann, wird ihre Welt auf den Kopf gestellt. Denn ihre Mutter Jocelyn Fray, eigentlich Fairchild, ist eine Schattenjängerin und auch in Clary schlummert das Blut der Dämonenjäger. Doch noch ehe Clarys Mutter ihr alles erklären und offenbaren kann, wird sie von Bösewicht Valentin entführt. Jedoch: Clary muss nicht allein nach ihr suchen. Gemeinsam mit ihren neuen Schattenjäger-Freunden Jace, Alec und Izzy geht sie auf die Suche nach Jocelyn.

City of Bones ist der durch und durch gelungene Auftakt zur Schattenjäger-Saga. Da ich das Buch bereits gelesen hatte, handelte es sich hierbei um einen ReRead. Und ein Buch muss wirklich gut sein, damit ich es mehrere Male lesen kann und möchte! Wieder haben mich die Charaktere rund um Clary und Jace fasziniert; jeder auf seine eigene Art und Weise. Nachdem ich im letzten Jahr das Netflix-Pendant verfolgt habe, sind mir auch einige Dinge deutlich klarer gewesen nun beim wiederholten Lesen. Clare hat einen sehr angenehmen und teilweise erheiternden, jedoch stets spannenden Erzählstil. Es gelingt ihr, dass einem die Charaktere innerhalb kürzester Zeit ans Herz wachsen und man mit Clary mitfiebert. Zudem gibt es einige sehr spannende und unerwartete Plottwists im Roman, die die Stimmung anheizen.

 

Hans Noll: Der Abschied. Journal meiner Ausreise aus der DDR.

Hans Noll: Der Abschied

Der Abschied.
Journal meiner Ausreise aus der DDR.

von Hans Noll
Hoffmann und Campe
268 Seiten
Biografie; Politik & Geschichte

 

Meine Bachelor-Arbeit schrieb ich über Jugendliteratur der DDR, die den Nationalsozialismus instrumentalisiert um Kinder auf sozialistischen Kurs zu bringen. Einer der damals behandelten Autoren war Dieter Noll. Einige Jahre später begegnet mir der Name Noll im Rahmen der Universität erneut. Diesmal jedoch Hans Noll, Dieter Nolls Sohn. Im Rahmen des Seminars „Jüdische Autoren nach dem Holocaust“  gehörte „Der Abschied. Journal meiner Ausreise aus der DDR“ zur Lektüreliste. Einige Wochen zu spät für den Kurs, bin ich nun durch mit dem gerade einmal 268 Seiten starken autobiografischen Werk. Der Autor, Hans Noll, heißt mittlerweile Chaim Noll und lebt in Israel. In diesem Buch jedoch beschreibt der Sohn des großen DDR-Autors seine Ausreise aus der DDR in den Westen des Landes. In abwechselnd langen und kurzen Tagebucheinträgen beschreibt er die Schwierigkeiten und Umstände der Ausreise seiner Familie. Die Einträge sind teils nüchterne Erzählungen des Ausreise-Wahnsinns. Teilweise jedoch sind sie philosophisch-nachdenklich und reflektieren den Irrsinn, der in der DDR herrscht und was dahinter steht.

Der Punkt war erreicht, wo weiteres Nachdenken die Grundlage des Systems in Frage stellte. Wenn man die Augen offenhielt, war alles klar. Doch es blieb noch ein Ausweg: die  Augen zu verschließen.

Ich gehöre der ersten Generation „gesamtdeutscher“ Kinder an, ein sogenanntes Wendekind. Ich wurde 1991 geboren. Meine Eltern, meine Großeltern, meine gesamte Familie wuchs in einem anderen Land auf, als ich. Auch wenn sie ihren Wohnort nie wechselten. Und wie das eben so ist, streifen die Eltern bei der Erziehung des Kindes ihre eigene Sozialisation nicht ab. Ich begreife mich daher nicht  zwingend als Bürger der BRD. Ich sehe Deutschland nicht als Ganzes, auch wenn man mir das vielleicht negativ auslegen möchte. Dass leider immer noch eine unsichtbare Grenze durch Deutschland geht, zeigen allein die Löhne. Nur zum besseren Verständnis für jene, die sich damit noch nicht beschäftigten: Ein Krankenpfleger verdient in Ostdeutschland um die 2800 Euro, sein Kollege im Westen bekommt 3200. Der Berufskraftfahrer in Ostdeutschland verdient mit 1800 Euro deutlich weniger, als ein westdeutscher Kraftfahrer mit 2400 Euro. Die Kluft ist da, auch wenn man nach so vielen Jahren nicht mehr daran glaubt.

Die DDR wirft Schatten. Die DDR selbst war ein Schatten. Noll zeigt das in seinem autobiografischen Werk deutlich auf. Die Willkür, mit der man behandelt wird. Das Wegducken, um nur ja den Antrag nicht zu gefährden. Die unnötigen Formulare und Wege, die es zu gehen gilt. Nur um die Auswanderer zu gängeln. Die vielen Warnungen, die unnötige Angst, die geschürt wird. Wir, die wir in einem freien Land leben, können uns das gar nicht mehr vorstellen.  Hans Noll bietet dem Leser einen sehr persönlichen Einblick in den nervenaufreibenden Prozess der Auswanderung aus der DDR. Sehr angenehm zu lesen und für geschichtlich Interessierte ein sehr empfehlenswertes Buch.