Masterarbeit abgegeben; oder: so geht es weiter

Es machte flupp und dann war das Ding im Briefkasten versenkt, unwiderruflich. Da hätte sich eigentlich ein Gefühl von Freude oder Erleichterung einstellen sollen, doch so ging es mir nicht. Eher ein Gefühl der Schwermut. Kennt ihr das, wenn ihr etwas so gerne tut und dann damit aufhören müsst? Genau so fühlte sich das Abgeben meiner Masterarbeit an.

Das ist nun schon wieder fünf Tage her. Und bis auf die Erleichterung, nicht mehr rund um die Minute das Gefühl zu haben, etwas erledigen zu müssen, hat sich kein positives Gefühl eingestellt. Dennoch schaue ich nach vorne, denn da erwarten mich nun bald spannende, neue Dinge:

Wie vielleicht der ein oder andere schon weiß, werde ich mich nun endgültig als Lektorin/Korrektorin/Wortjongleurin selbstständig machen. Lange habe ich überlegt, welchen Weg ich nun gehen soll und ich sehe mich einfach in keinem 9to5-Job mit einem Vorgesetzten vor der Nase. Zudem bietet mir die Selbstständigkeit jene freie Zeiteinteilung inklusive finanzieller Sicherheit, die ich für das große Kommende brauche: ein Zweitstudium. 

Wo viele sich denken: Gott sei Dank, endlich ins Berufsleben, raus aus der Uni – da dachte ich mir: och nö, bitte nicht. Und deswegen werde ich auch genau diesen Weg nicht gehen. Ab Oktober werde ich mit einem weiteren Bachelor beginnen. Und auch die Fächerkombination steht schon fest: Anglistik/Amerikanistik und Slawistik (Russistik).

So traurig ich über mein Ausscheiden an der Universität Leipzig bin und meiner Germanistik nachtrauere, freue ich mich schon darauf, nun in weitere Sprachen einzutauchen, neue Literaturen zu studieren, neue Grammatiken zu zerpflücken! Und ich erfülle mir zudem damit einen Herzenswunsch.

Viele Jahre war es mein sehnlichster Traum Russisch zu  lernen. Der Plan war, irgendwann einen Kurs zu machen. Bei der Suche nach einem Zweitfach stolperte ich dann über folgenden Satz: „Russistik ohne Vorkenntnisse“. Oha? Keine Vorkenntnisse benötigt? Nach weiteren Recherchen fand ich heraus, dass das Studium der Russistik tatsächlich möglich ist für jemanden wie mich, der lediglich einige Worte und das Alphabet entziffern kann. Voraussetzung sind studienbegleitende Intensivkurse, kein Problem.

Und so beginnt dann im September mein Propädeutikum, eine Art Intensivkurs, in Russisch. Im Oktober beginnt das Studium.

Natürlich habe ich mir sehr viel vorgenommen. Das Ziel am Horizon ist immer noch klar und deutlich: der Doktortitel. Doch auch der Blog soll nun endlich wieder aufleben. Ich liebe ihn viel zu sehr, als dass ich mich nicht mehr engagieren möchte und sollte. Also auch was das angebelangt werdet ihr hier bald neuen Content finden. Zudem werde icha uch ab und an aus dem Alltag als „Bucharbeiter“ bloggen; also alles rund um Lektorat, Korrektorat, usw.

Stay tuned 🙂

Abseits der Norm – der Dialektalitätswert

Schon lange habe ich mir vorgenommen, euch wieder mehr über mein Studium zu erzählen. Ich denke nämlich, dass gerade Leser und Bücherwürmer auch ein Interesse an Sprache per se haben. (Oder täusche ich mich?) Eine ganze Weile habe ich nichts mehr über meine anstehende, bzw. aktuell geschrieben werden wollende Masterarbeit erzählt. Heute möchte ich euch eine der zentralen Methoden zeigen, mit denen ich arbeite.

Bildergebnis für phonetic memeEs geht um den sogenannten Dialektalitätswert. Dieser zeigt auf, wie groß der Abstand zwischen dem tatsächlich Gesprochenen und dem „Standard“ ist. Standard, das ist die Aussprache, wie sie in Wörterbüchern zu finden ist und die man allgemein als „Hochdeutsch“ bezeichnen würde. Aber so redet ja niemand, na gut, fast niemand.

Um den Dialektalitätswert zu bestimmen, muss man zunächst einen Merkmalkatalog festlegen und die Abweichung von der Norm benennen. Weicht eine Aussprache nur gering vom Standard ab, wird dem Laut eine geringe Punktzahl zugeordnet, z.B. 0 oder 1. Ist der Unterschied hingegen sehr groß, kann man die Punktzahl 3 vergeben. Das wäre unter anderem dann der Fall, wenn man statt des Diphthongs <ei> einen langen Monophthong <e> spricht. Wer tut denn sowas, fragt ihr euch? Wir, die Thüringer, zum Beispiel. Die Beine werden bei uns oft zu den „Beenen“. Auch die Vokale an sich können sich verändern, ö zu e oder gar i. Wer das tut? Wieder die Thüringer. Hier wird aus schön auch schnell mal ein „schee“ oder aus böse ein „biese“. (Nicht gerade im Alltag, aber meine Uroma sprach noch ganz regulär so!)

Und was bringt mir das jetzt? Konkret in meinem Fall errechne ich Laut für Laut diesen Wert für meine Probanden. Hierfür nehme ich Stichproben aus den Jahren 2003, ca 2010 und 2017. Es wird dann ein Durchschnitt für jedes Jahr erreichnet und das Ganze wird dann verglichen. So kann ich sehen, ob der Dialektalitätswert zu Beginn höher oder niedriger war, oder ob der Gebrauch des Dialekts bei dem jeweiligen Sprecher gleichbleibend ist. Dies führt mich der Beantwortung meiner Forschungsfrage, ob sich die Sprache im Laufe einer Biografie verändert, einen gewaltigen Schritt näher.

Wie ist das mit euch? Sprecht ihr Dialekt oder eine andere Variante des Deutschen (z.B. Jugendsprache)? Macht ihr euch überhaupt Gedanken darüber, ob eure Sprache von der Norm „abweicht“? Und was denkt ihr, wieviele Menschen sprechen überhaupt richtiges „Standarddeutsch“?