Montagsfrage 18.06.2018

Welche/n Autor/in würdest du gerne mal treffen?

Leider sind die meisten Autoren, mit denen ich wirklich gerne einmal plaudern oder zumindest treffen würde, bereits tot: Wolfgang Herrndorf, Gabriel Garcia Marquez, Kafka. Auch wenn ich irgendwie bezweifle, dass Herrndorf und Kafka mit mir hätten reden wollen. Bei Marquez bin ich mir da nicht so sicher. Bei der „lebenden Fraktion“ würden mich einmal Autoren wie Juli Zeh und Judith Hermann reizen. Auch Daniel Kehlmann würde mich sehr interessieren. Autoren, an die ich eher weniger Fragen habe, die ich jedoch des „Fangirlens“ wegen sicher gerne einmal sehen würde, wären Nalini Singh und J.R.Ward. <3

Montagsfrage 11.06.2018

Gibt es eine Erzählperspektive, die du beim Lesen bevorzugst?

Meine Einstellung zu den Erzählperspektiven hat sich tatsächlich über die Jahre stark verändert. Früher mochte ich die Ich-Perspektive kaum, ich habe sie eher akzeptiert aber nicht genossen. Lieber war es mir, wenn allwissend in der dritten Person erzählt wurde. Warum das so war, weiß ich nicht. Als Teenager und insbesondere dann mit Twilight begann meine Liebe für den Ich-Erzähler. In dieser Zeit fand ich alles, was nicht in der Ich-Perspektive erzählt wurde ziemlich langweilig, wenn auch akzeptabel. Ich habe es genossen, mich in diese eine Person hinein zu versetzen, die Welt durch ihre Augen zu sehen, so gelang mir wahrscheinlich die Flucht in die geliebten anderen Welten besser. Mittlerweile, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, genieße und liebe ich sie alle. Ganz gleich ob personeller Ich-Erzähler, allwissender Erzähler, wechselnder Erzähler, und so weiter.

Das einzige, womit ich momentan ein wenig zu kämpfen habe, sind all zu unvorhersehbare Wechsel. Im Rahmen eines Seminars lese ich derzeit einige Bücher, die mitten im Satz die Perspektive wechsweln. Das empfinde ich teilweise noch als sehr verwirrend, auch wenn man sich daran gewöhnt, wenn man den Dreh einmal heraus hat. Aber die Perspektive meiner Wahl ist das wohl doch nicht und wird es so schnell auch nicht werden.

Abseits der Norm – der Dialektalitätswert

Schon lange habe ich mir vorgenommen, euch wieder mehr über mein Studium zu erzählen. Ich denke nämlich, dass gerade Leser und Bücherwürmer auch ein Interesse an Sprache per se haben. (Oder täusche ich mich?) Eine ganze Weile habe ich nichts mehr über meine anstehende, bzw. aktuell geschrieben werden wollende Masterarbeit erzählt. Heute möchte ich euch eine der zentralen Methoden zeigen, mit denen ich arbeite.

Bildergebnis für phonetic memeEs geht um den sogenannten Dialektalitätswert. Dieser zeigt auf, wie groß der Abstand zwischen dem tatsächlich Gesprochenen und dem „Standard“ ist. Standard, das ist die Aussprache, wie sie in Wörterbüchern zu finden ist und die man allgemein als „Hochdeutsch“ bezeichnen würde. Aber so redet ja niemand, na gut, fast niemand.

Um den Dialektalitätswert zu bestimmen, muss man zunächst einen Merkmalkatalog festlegen und die Abweichung von der Norm benennen. Weicht eine Aussprache nur gering vom Standard ab, wird dem Laut eine geringe Punktzahl zugeordnet, z.B. 0 oder 1. Ist der Unterschied hingegen sehr groß, kann man die Punktzahl 3 vergeben. Das wäre unter anderem dann der Fall, wenn man statt des Diphthongs <ei> einen langen Monophthong <e> spricht. Wer tut denn sowas, fragt ihr euch? Wir, die Thüringer, zum Beispiel. Die Beine werden bei uns oft zu den „Beenen“. Auch die Vokale an sich können sich verändern, ö zu e oder gar i. Wer das tut? Wieder die Thüringer. Hier wird aus schön auch schnell mal ein „schee“ oder aus böse ein „biese“. (Nicht gerade im Alltag, aber meine Uroma sprach noch ganz regulär so!)

Und was bringt mir das jetzt? Konkret in meinem Fall errechne ich Laut für Laut diesen Wert für meine Probanden. Hierfür nehme ich Stichproben aus den Jahren 2003, ca 2010 und 2017. Es wird dann ein Durchschnitt für jedes Jahr erreichnet und das Ganze wird dann verglichen. So kann ich sehen, ob der Dialektalitätswert zu Beginn höher oder niedriger war, oder ob der Gebrauch des Dialekts bei dem jeweiligen Sprecher gleichbleibend ist. Dies führt mich der Beantwortung meiner Forschungsfrage, ob sich die Sprache im Laufe einer Biografie verändert, einen gewaltigen Schritt näher.

Wie ist das mit euch? Sprecht ihr Dialekt oder eine andere Variante des Deutschen (z.B. Jugendsprache)? Macht ihr euch überhaupt Gedanken darüber, ob eure Sprache von der Norm „abweicht“? Und was denkt ihr, wieviele Menschen sprechen überhaupt richtiges „Standarddeutsch“?

Montagsfrage // 04.06.2018

 

Wenn du Bücher mit in den Sommerurlaub nimmst, liest du dann typische, leichte Sommerlektüre oder einfach ganz normal Bücher wie sonst auch?

Einen wirklichen „Sommerurlaub“ kenne ich nicht und mag ich glaube ich auch nicht 😀 Das hat zwei Gründe:
Unser Familienbetrieb lässt Urlaube in den Sommermonaten aufgrund der Saisonabhängigkeit nicht zu. Wenn man Speiseeis herstellt, sind Urlaube im Sommer schlichtweg nicht drin. Aber, und damit sind wir bei Grund Nummer zwei, das macht nichts. Ich bin ein Sommerhasser, ja, richtig gelesen. Ich mag den Sommer nicht und sobald es warm wird, bekommen mich keine 10 Pferde aus dem kühlen Haus. Ein Hoch auf unser altes Bauernhaus, wo man auch bei 30 Grad Außentemperatur einen Pullover in den Räumen braucht.

Nehmen wir nun aber einmal an, ich HÄTTE Sommerurlaub, würde fort fahren oder auf Balkonien chillen – was dann? Ich glaube dann würde ich auch keine saisonale Lektüre mitnehmen, ich lese eher, was mir gerade so in die Hände fällt. Ist das ein Buch, das im Sommer spielt? Okay. Ist es keines, auch okay. Richtig saisonal lese ich maximal im Winter, da ich sehr gerne um die Weihnachtszeit dann einige Weihnachtsklassiker lese. Aber es kommt wie gesagt selbst dann eher selten vor, dass ich mir Bücher suche, die zur Jahreszeit passen.

Montagsfrage 14.05.2018

Magst du lieber dicke oder dünne Bücher, oder ist es dir egal? Warum?

An sich ist es mir ganz gleich, ob ein Buch dick oder dünn ist. Ist ein Buch sehr gut und zieht es einen in seinen Bann, darf es gern einige Seiten mehr haben. Liest es sich langatmig, ist der Blick auf die verbleibenden 900 Seiten ernüchternd. (Abbrechen gibt’s für mich nicht, ich lese dann bis zum Umfallen.) In der Regel mag ich am liebsten Reihen und die einzelnen Bände um die 300 Seiten. Das liest sich flott nacheinander, aber man muss nicht so rasch von den Protas Abschied nehmen.

 

Montagsfrage // 11.05.2018

 

Eine wirkliche Leseliste habe ich aktuell nicht. Meist handelt es sich bei meiner Leseliste bloß um den Zettel der Bibliothek, welche Bücher ich bitte wann zurückzugeben habe. Im Moment habe ich allerdings alle geliehenen Bücher ausgelesen und überbrücke die Zeit bis zum nächsten Bib-Besuch mit eBooks via Skoobe. Eine wirkliche Leseliste habe ich da aber nicht. Mal schauen, was ich demnächst lesen werde. Im Moment lese ich ohnehin sehr viel für die Uni, sodass „Privatlektüre“ eher hintan steht.

Daniel Kehlmann: Du hättest gehen sollen

Du hättest gehen sollen
Daniel Kehlmann
96 Seiten
Rowohlt Verlag
2016
Gegenwartsliteratur

Ein einsam gelegenes Ferienhaus. Tief unten das Tal mit seinen würfelkleinen Häusern, eine Serpentinenstraße führt hinauf. Das kalte Blauweiß der Gletscher, schroffer Granit, die Wälder im Dunst – es ist Dezember, Vorweihnachtszeit. Ein junges Ehepaar mit Kind hat sich für ein paar Tage dieses komfortable Haus gemietet, doch so richtig aus der Welt sind sie nicht: Das Kind erzählt wirre Geschichten aus dem Kindergarten, die Frau tippt Nachrichten auf dem Telefon, und der Mann – ein Drehbuchautor, von dem ein Produzent den zweiten Teil seiner erfolgreichsten Komödie erwartet – schreibt Ideen und Szenen in sein Notizbuch. Aber mehr und mehr notiert er auch anderes – eheliche Spannungen, Zwistigkeiten, vor allem die seltsamen Dinge, die rings um ihn geschehen. Denn mit dem Haus stimmt etwas nicht. 
Daniel Kehlmanns phantastische Erzählung ist im doppelten Wortsinn unheimlich, die Spirale in den Abgrund entwickelt einen starken Sog – umso mehr, als dem Schrecken etwas zur Seite gestellt wird: die wechselnden Stimmungen in der Familie, das Nebeneinander von Liebe und Gereiztheit, die Sorge um das Kind. «Das Geheimnis ist, dass man sich ja doch liebt.» Ist es so? Allmählich verschwimmen die Konturen, und der Boden beginnt zu wanken.

Es beginnt unverfänglich. Ein Drehbuchautor fährt in die Berge, seine Familie begleitet ihn. Auf der Suche nach Inspiration, die Liebe ergründend, das Kind liebend. Eine ganz normale Geschichte. Doch allmählich beginnt die Welt des Protagonisten zu wanken, zu schwanken. Ein Sog zieht ihn nach unten, immer weiter in eine Spirale. Er läuft und kommt seinem Ziel doch nicht näher. Und der Leser begleitet ihn in diesem Strudel.
Sprachlich ein Meisterwerk, ist besonders der Aufbau auch noch einmal hervorzuheben. Man liest das Notizbuch des Drehbuchautors, welcher immer wieder tagebuchartig sein Leben festhält und dann doch wieder Ideen für seinen neuen Film. Die Übergänge sind fließend, nicht gekennzeichnet und virtuos eingebettet.
Insgesamt ein wundervolles Werk, welches die Sprachgewalt des Deutschen ausschöpft und seinen Leser in den Bann zieht.

Kass Morgan: Die 100 – Tag 21

 

Die 100 – Tag 21 
Kass Morgan
320 Seiten
Heyne Verlag 2015
Jugendbücher

Kurzmeinung

Mit „Die 100 – Tag 21“ gelingt Kass Morgan die gelungene Fortsetzung der Serie. Die jugendlichen Straftäter, die wie Laborkaninchen auf die Erde entsandt wurden, sehen sich nun ganz neuen, ungeahnten Gefahren ausgesetzt: andere Menschen. Erdgeborene. Octavia, die Schwester Bellamys, ist nach wie vor verschwunden. Dafür haben die Jugendlichen eine aus der Reihen der Erdgeborenen gefangen nehmen können. Clarke ist eine der wenigen, die nicht nach Rache sinnt. Sie versucht, die Erdgeborenen zu verstehen und kennen zu lernen. Dabei entdeckt sie etwas Ungeahntes.

Auch mit „Tag 21“ hat Kass Morgan mich von der ersten Seite an fesseln können. Die Protagonisten, deren Person wir abwechselnd begleiten, sind sympathisch mit all ihren Ecken und Kanten. Man kann durch kurze Rückblenden in die Vergangenheit der verschiedenen Charaktere hinein blicken und lernt somit auch deren Umstände besser kennen. Zudem hat Kass Morgan einige hübsche Plot Twists in die Story einfließen lassen, sodass die Spannung dauerhaft gehalten werden kann.

 

Mark B. Mills: Warten auf Doggo

Warten auf Doggo
von Mark B. Mills
256 Seiten
Bastei Lübbe
Gegenwartsliteratur, Humor

 

Inhalt

Daniels leicht durchgedrehte Freundin haut einfach ab. Sie hinterlässt nicht viel, bloß einen fadenscheinigen Brief mit Anschuldigungen und Doggo. Doggo ist ein ziemlich hässlicher Hund aus dem Tierheim, grummelig und zu Beginn wenig liebenswürdig. Doch je mehr Zeit Daniel mit dem Hund verbringt, umso mehr hängt sein Herz an dem Tier. Doggo und Daniel ergänzen sich perfekt. Und sie helfen einander durch den Alltag und die Hürden des Lebens. Und von denen gibt es in Daniels Leben nun einige, denn nicht nur ist seine Freundin fort, auch beginnt er einen neuen Job und kommt einem Geheimnis auf die Schliche, dass sein Leben verändert. Ohne Doggo hätte er wohl den Halt verloren.

Meinung

Es gab zwei gute Gründe, dieses Buch aus der Bibliothek zu entleihen: a) Der Titel ist eine Anspielung auf Samuel Beckett; b) Es geht um einen Hund. Okay, allein letzteres hätte mich schon überzeugt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Dieses sehr humorvolle Buch wartet mit einigen sehr herzerwärmenden Szenen auf und beschreibt alles in allem die ganz besondere Freundschaft zwischen Mensch und Hund. Doggo und Daniel stehen natürlich im Fokus des Geschehens, man lernt beider Geschichten ein wenig besser kennen. Doch auch das Drumherum wurde mit liebevoll und detailliert ausgearbeiteten Figuren ausstaffiert. Das Buch lässt sich sehr angenehm und flüssig lesen, es wird zu keinem Zeitpunkt langatmig oder gar langatmig. Insgesamt ein tolles Buch, um einfach abzuschalten und zu lachen. Sehr empfehlenswert!

Gemeinsam Lesen 24.04.2018

 

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese zum einen „Faunblut“ von Nina Blazon und bin auf S. 699/888. Parallel lese ich „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann. Ich bin auf S. 50/138.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Wie immer wenn die Rebellen fliehen mussten, zerstreuten sie sich wie ein Fischschwarm in alle Richtungen, kein Ziel mehr bietend, jeder einem anderen Versteck zustrebend.“ (Faunblut)

„Gleich in der Nähe ward polnisch gesprochen.“ (Der Tod in Venedig)

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

FAUNBLUT
Am Anfang fiel es mir ein wenig schwer, dem Buch eine Chance zu geben. Woran genau es lag, kann ich nicht sagen. Mittlerweile bin ich voll und ganz in der Story drin und LIEBE sie. Ich bin fast durch, möchte aber gar nicht, dass es endet. Zum Glück gibt es weitere Bücher der Autorin, ich hoffe, diese werden mich ebenso fesseln.

DER TOD IN VENEDIG
Mein letzter (Thomas) Mann ist ein wenig her: Der Zauberberg. Dieser Roman zog sich damals schrecklich lang, sodass ich eher entmutigt war, weitere Mann’sche Bücher zu lesen. Wie es der Zufall will, besuche ich in diesem Semester ein Seminar zu Thomas Mann im Film. Also komme ich nicht drum herum, weitere Bücher von diesem großen Literaturen zu lesen. Und das klingt furchtbar negativ, wie ich das so schreibe. Dabei habe ich den Zauberberg geliebt und liebe nun auch diese Erzählung. Allerdings erfordert es Ruhe und Zeit, Thomas Mann zu lesen. Zumindest meiner Meinung nach. Daher schiebt man es vor sich hin, lässt es dann doch und ja…. Eigentlich schade, da seine Werke nicht zu Unrecht so einen hohen Stellenwert in der deutschen Literaturlandschaft einnehmen.

4.Worauf achtest du beim kauf von Büchern? (z.B. Cover, Klappentext …)

Ich wiederhole mich schrecklich oft, aber ich kaufe keine beziehungsweise kaum Bücher. Ich leihe. Sehr aktiv. Aber auch da wählt man ja aus, also: Worauf achte ich beim Leihen von Büchern?

Meist „höre“ ich auf das, was auf Blogs und auf Facebook (z.B. in Buchgruppen) empfohlen wurde. Weiterhin lege ich großen Wert darauf, was meine Mutter liest und orientiere mich an ihrer Auswahl. Stehe ich allerdings in der Bibliothek und weiß noch nicht, was mitgehen soll, schaue ich in erster Linie wahrscheinlich nach dem Cover. Ist es ein wirklich hässlich gestaltetes Buch, nehme ich es auch eher weniger zur Hand. Natürlich ist das doof, weil was kann der Autor für die Gestaltung? Natürlich hat er ein Mitspracherecht, aber im Endeffekt sagt das Cover nichts über den Inhalt. Dennoch ist es so: Ein Eyecatcher fällt eben eher ins Auge. Ist mir ein Buch ins Auge gefallen, lese ich dessen Klappentext. Klingt es dann immer noch interessant, wird es mitgenommen.